Theaterschaffende, die diesen Text uraufführen wollen, können sich beim Autor Volker Lüdecke darüber informieren. Der Text ist urheberrechtlich geschützt! (stueckgutverlag München) Also bitte nur lesen, nicht kopieren, nicht ohne Genehmigung aufführen! Denkt daran, auch Autoren möchten von ihrer Arbeit leben können! Danke!
Tom und Andreas beim Frühstück auf der Dachterrasse. Daniel kommt in den Garten, bleibt vor der Terrasse.
Daniel Hallo!
Tom Ja?
Daniel Ist meine Schwester zu sprechen?
Tom Wer?
Daniel Meine Schwester?
Tom Sophie?
Daniel Ja, Sophie.
Tom Nein. Sie ist mit meinem Onkel zusammen verreist.
Daniel geht zurück in den Garten, kehrt um und geht dicht an Tom heran.
Daniel Wurde dieses Haus verkauft, oder bist du mein Neffe?
Andreas Wir sind hier legalisiert durch seine Tante.
Tom Das ist Andreas. Ich heiße Tom. Wer sind Sie?
Daniel Hätte dir etwas mitbringen sollen aus Afrika. Tut mir leid, ich kann keine Familienähnlichkeit entdecken. Es ist schon seltsam, sie hier nicht, sondern dich zu treffen. Ich bin Daniel!
Andreas nimmt eine Videokamera, fotografiert Daniel.
Andreas Und Action!
Daniel Sophie hatte mir nicht gesagt, dass ihr hier sein würdet.
Tom Mir hatte sie nichts von Ihnen erzählt. Niemand, keiner aus der Familie, hat mir je von Ihnen erzählt. Tut mir leid.
Daniel Freut mich, dich kennen zu lernen, Tom. Daniel und Sophie, das sind zwei gegensätzliche Geschwister. Dass ich mich überhaupt noch wundere über ihr Verhalten! Sie verdrängt eben. Nein, das ist nur so eine Überlegung von mir. Ansonsten ist sie vollkommen korrekt. Ja, man mag sie. Wenn man von ihr nicht verdrängt wird, kann man sie sogar sehr mögen.
Andreas kreist mit der Kamera um Daniel und Tom.
Tom Sie sind in Australien. Bei diesem großen Felsen, wie heißt der? Der liegt da so seltsam groß in der Landschaft herum. Wie durch Zufall hingeworfen, vom Himmel gefallen, oder von einer antiken Gottheit beim himmlischen Manöver aus dem Streitwagen verloren. Sein Name fällt mir nicht ein.
Daniel Ach, sie verschwindet einfach in einem Bild? Sehr elegant, hätte ich ihr nicht zugetraut. Liebe Schwester, ich sage, gestern war ich noch in der Serengeti, fahre in einem Landrover, beobachte mit einem Fernglas Wildtiere, und Schwupps, springe ich aus diesem Bild heraus, hier an den Bodensee.
Aber ich kann es ihr nicht sagen, denn sie will ja nicht hier sein. Australien, das klingt wichtig, unaufschiebbar. Natürlich, wer würde sich bei dieser Reiseperspektive gern aufhalten lassen?
Entschuldigt, ich rege mich auf. Das habt ihr nicht verdient, ihr seid ja nur zufällig hier.
Hinter mir liegt eine Menge Stress. Einchecken, Auschecken, Gepäck weg, Zollpapiere. Wenn ihr wüsstet, wie viel Stress, würdet ihr meine Laune verstehen. So eine Enttäuschung! Begreift ihr das? Vergessen von der eigenen Familie! Haben sie etwa Angst, dass noch mehr aussteigen aus ihrer feinen Gesellschaft? Erst ich, dann du, dann vielleicht er, morgen dann Überlingen, und bald die halbe Bundesrepublik. Die afrikanischen Länder machen die Grenzen dicht vor dem Ansturm deutscher Auswanderer!
Gut, also, ich bin hier, und wenn ihr alle Unfälle zusammennehmt, von denen ihr in der letzten Zeit gehört habt, dann habt ihr vielleicht eine Vorstellung davon, was mir in den letzten zwei Monaten passiert ist. Deshalb hatte sich meine Abreise aus Johannesburg verzögert.
Tom Eine schöne Geschichte. Verzeihung, ich neige überhaupt nicht zum Zuhören, eher zum Gegenteil. Wir entwickeln hier gerade Drehbücher. Sie tauchen hier auf, behaupten, mein Onkel zu sein. Wie finde ich das? Es passt zufällig nicht in mein Buch. Sagen sie mir, wie soll ich das finden?
Andreas geht mit der Kamera so nah wie möglich an Daniels Gesicht heran.
Andreas Achtung, close up, and action!
Daniel Moment mal, habe ich richtig verstanden? Du hast tatsächlich noch nie, ich meine, überhaupt noch nie von mir gehört? Niemand in meiner Familie hat jemals über mich gesprochen? Oder erinnerst du dich daran nicht?
Tom Keine Ahnung, ich interessiere mich überhaupt für ganz andere Sachen. Jedenfalls sind wir uns noch nie begegnet. Ich habe Sie auch noch nie auf einem dieser Familienvideos gesehen. Obwohl regelmäßig grauenvoll peinliche, furchtbare Familienvideos gemacht werden. Die dann angeschaut werden müssen. Nachdem mein Vetter sie an seinem Computer mit den neuesten Effektblenden angefüllt hat. Und mit seiner sympathischen Kommentarstimme und elektronischer Musik nach vertont hat. Das muss man schon ertragen, wenn man zu diesem Clan gehören will. Aber Sie habe ich darauf noch nie gesehen, und Sie wären doch für jeden Hobbyfilmer ein spannendes Motiv.
Ich will Sie nicht widerlegen, ich möchte nur den Kopf frei haben. Die Familie ist ja auch gewaltig groß und weit verzweigt. Da kann schon mal ein Ast vom Stamm übersehen werden, zumal, wenn er etwas dürr ist. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber Sie sehen nicht gut aus.
Daniel lacht seltsam. Andreas fotografiert aus einer Halbtotalen.
Daniel Ich bin ja einiges gewöhnt aus afrikanischen Krankenhäusern, Medikamentenmangel, z.B., aber das ist harmlos gegen ein deutsches Krankenhaus. Der Arzt sagte mir, dass es in diesem Land vierhunderttausend Menschen ohne gültige Krankenversicherungen gibt, und dass er, da er meine Versicherungspapiere nicht versteht, mich zu dieser Gruppe dazu zählt.
Tom Ok, Sie haben es schwer. Vielleicht sind Sie in irgendeinem Spiel, das ich nicht kenne, der Verlierer. Das tut mir Leid für Sie. Aber ich bin in ihrem Spiel nicht der Helfer. Ich spende schon. Wird von meinem Konto abgebucht.
Daniel Zuerst kommt die erste Welt, dann die zweite Welt, dann die dritte Welt und danach die vierte Welt. So ergeht es einem, wenn man nicht mehr gewöhnt ist, unbedingt pünktlich sein zu müssen.
Warum ich es in dem deutschen Krankenhaus so schlimm fand? Ich telefoniere nicht. Ich brauche auch kein Handy. Soll ich von einem Krankenhaus aus die Notrufnummer anwählen? Hallo, hier spricht die vierte Welt. Befreit uns, rettet mich!
Andreas Cut! Das war nicht schlecht. Leider ist die Kassette voll, sonst könnten wir gleich weiter machen. Eins A Probeaufnahmen!
Tom Halt dich mal kurz zurück, ja?
Andreas Aus Südafrika? Wie lange waren sie denn dort? In Afrika, ist das nicht gefährlich?
Daniel Uluru, so heißt dieser Berg in Australien. Ist sie dort?
Tom Nein, bestimmt nicht. Der hieß irgendwie anders.
Daniel Die Aboriginal nennen ihn so. Er ist auch bekannt unter dem Namen Ayers Rock.
Tom Ja, genau, Ayers Rock. Dort müssten sie jetzt sein. Vielleicht kannst du dir ihr Urlaubsvideo ansehen, wenn sie zurück sind.
Daniel Kolibakterien hatten dann in diesem Krankenhaus, wo ich nur ein paar Stunden zubrachte, also, man gestattete mir einen frischen Verband, die Wunde am Knöchel infiziert. Mein Bein schwoll an, so dick wie beim Elefanten. Hast du schon einmal einen Menschen mit einem Elefantenbein gesehen?
Andreas Gigantisch! Ein absolut schräger Charakter, der sich ohne Umschweife physisch manifestiert. Direkt aus dem Leben, meine Hauptfigur!
Daniel In Europa, meine ich, nicht in einem afrikanischen Township.
Tom Wieso hat mir Tante Sophie nichts von Ihnen erzählt? Hat sie ein Problem mit Ihnen?
Andreas Aber uns seitenweise Lebensgrundsätze aufschreiben, deine großherzige Tante! Sie hat einfach nur einen Knall, wie die meisten Leute, die nicht in der Großstadt leben.
Daniel Afrika, wen interessiert das hier, auch wenn wir verwandt sind. Ich miete mir ein Zimmer, was man eben so kriegt für wenig Geld, und warte, dass mein Bein wieder abschwillt.
Tom Ich kann auch mal etwas überhört haben. Wenn es um die Familie geht, schalte ich das Mikro aus. Verstehen Sie? Ja, vielleicht liegt es daran. Die Familie driftet auseinander. Ich halte die Bewegung nicht auf. Ich bewege mich lieber selbst.
Andreas Einfach den Bruder verschweigen, weil er auf einem anderen Kontinent lebt! Das finde ich gut. Das finde ich richtig gut. Zerrüttete Familie, alle tun nach außen herzlich, dahinter Hass, Leere, Verzweiflung! Dann erscheint der ungeliebte Bruder, mischt den Laden kräftig auf. Was haben Sie jetzt vor?
Daniel Es schwoll aber nicht ab. Mir wurde klar, ich brauche Medikamente. Schleppe mich daher in eine Apotheke. In Afrika herrscht ein Mangel an Medikamenten, auch in Südafrika. Obwohl es dort besser ist als z.B. in Kenia.
Alles kein Problem, wenn du Geld hast. Dann tauchen sogar Medikamente auf, die keiner in Afrika erwartet. Aber hier gehe ich in eine Apotheke, biete Geld für ein Medikament, das ich unbedingt brauche, und bekomme es nicht, weil ich dafür eine Erlaubnis, ein Rezept brauche. Und den Rest der Geschichte kennt ihr. Ohne gültige Versicherung keine ärztliche Behandlung, ohne ärztliche Behandlung kein Rezept, ohne Rezept kein Medikament.
Schweigen.
Tom Andreas ist Filmstudent und muss unbedingt einen Film machen, obwohl ihm nichts einfällt. Verstehen Sie? Ich glaube er findet sie gut. Aber sein Etat ist noch nicht genehmigt. Dafür fehlt ihm eine überzeugende Story. Sie können ihm helfen. Und dabei Geld verdienen. Irgendwann.
Daniel Sie denken, es sind nur die Gescheiterten, die hier ohne Krankenversicherung existieren müssen? Irrtum, es sind auch viele Selbstständige, die ihre hohen Beiträge nicht mehr zahlen können: Architekten, Händler, ehemalige Arbeitgeber. Denen geht es schlechter als einem Bandarbeiter bei VW. Kein Problem? Vielleicht sind auch Filmer darunter, die sich bei den TV Redaktionen unbeliebt gemacht haben. Kann man sich vorstellen, wie viele sich da für ein bisschen Arbeit bis zum Kopf im Eimer verbiegen?
So viel Leben passt gar nicht durch eine Linse.
Tom Vielleicht sind das mehr ihre privaten Angelegenheiten. Und Sie stellen da zu der übrigen Welt eine Verbindung her, die tatsächlich so gar nicht existiert. Was sagt denn ihre Frau dazu?
Andreas Lass ihn! Willst du meine Arbeit sabotieren? Ich fasse einen Gedanken, und du zerfetzt ihn. Wenn ich auf alles Rücksicht nehme, brauche ich als Regisseur gar nicht anzufangen.
Daniel Wartet mal, Jungs, streitet ihr euch meinetwegen? Ich habe keine aufregende Enthüllungsgeschichte zu vermarkten. Das Konto ist vollkommen leer.
Andreas Das können Sie nicht beurteilen. Meinen Sie, wir studieren Semester für Semester von „Alles auf Anfang“, über Dramaturgie bis Kabelbruch, damit Sie uns ansagen, was geht? Wissen Sie, aus wie vielen Bewerbern man uns zwei people ausgewählt hat, uns?
Tom Bist du irre?
Andreas Mann, ich stehe unter Druck! Auf Anordnung kreativ sein! Thema, Tage, takes! Oder gar nichts. Keine Kohle, kein Film. Neffe Tom muss auch kreativ werden, sonst wird das nichts mit seiner Karriere beim Frühstücksfernsehen.
Daniel Ihr habt euch das ausgesucht. Oder?
Andreas So sieht das aus, lieber Osterhase. Nichts gefunden im Busch.
Tom Ja, deshalb sind wir hier am Bodensee, obwohl unser gemeinsames Projekt schon lange vorher gestorben war. Deswegen machen wir jetzt getrennt. Konkurrenz unter Filmschaffenden.
Andreas Wir haben inzwischen festgestellt, dass wir nicht zusammen arbeiten können. Was nicht an mir liegt.
Tom Sicher nicht. Ich möchte nur wirklich meinen Abschlussfilm machen.
Daniel lacht sein seltsames Lachen.
Daniel Das ist ja generös von Sophie. Sie hat immer ein Herz für Künstler. Besonders wenn sie weit weg sind.
Wusstet ihr, dass sie vor allem die Surrealisten schätzt? Sie begibt sich gern auf ihre Fährte. Sammelt Kachina-Figuren der Pueblo-Indianerstämme Hopi und Zuni. Hat sie noch Figuren im Haus, oder lagert sie die wertvollen Stücke in einem Banktresor?
Schweigen.
Daniel Mal sehen, welche Kunst der so genannten Primitiven sie aus Australien mitbringt. Falls sie wirklich dort sind.
Tom Wenn etwas passieren sollte, können wir von Australien aus nicht eingreifen, sagte sie am Telefon. Ich habe mich nicht gefragt, was passieren könnte. Mit Spekulationen beschäftige ich mich nicht.
Andreas Und ich darf auch hier sein. Allerhöchste Erlaubnis! Zur Inspiration auf dem Lande.
Tom Er freut sich darüber schon die ganze Zeit. Was haben Sie nun vor?
Daniel Ich? Nichts.
Tom Aber bitte keine weiteren Gäste, sagte Sophie. Was soll ich machen?
Andreas Weil hier kein Platz ist.
Daniel Meine liebe Schwester Sophie verwendet euch als Türsteher.
Tom Also, wenn Sie hier wohnen wollen, betrifft das uns auch ein klein wenig. Wir sind hier, damit wir uns eben nicht auf irgendwelche Dritte einstellen müssen. Aber sie sollten ihr Anliegen mit ihr besprechen.
Daniel Eine Woche ungefähr wollte ich hier bleiben, so war es vorher verabredet. Einige Dinge mit ihr besprechen. Sie hat wahrscheinlich nicht geglaubt, dass ich wirklich komme.
Tom Es tut mir wirklich leid.
Andreas nimmt Tom zur Seite. Sie flüstern.
Andreas Tom, sie muss es nicht erfahren.
Tom Deine Anwesenheit kostet mich Nerven. Ich bin kurz davor, den Aufenthalt hier überhaupt abzubrechen.
Andreas Eine Nacht. Er erzählt interessante Geschichten.
Tom Der tickt nicht richtig. Merkst du das nicht?
Andreas Hast du etwa Angst vor dem? Wir sind zu zweit.
Tom Nein! Er kann meinetwegen der Papst sein. Du lässt dich ja gern ablenken, mir geht es in erster Linie um den Film.
Daniel geht davon. Sie starren ihm nach. Andreas ruft ihm hinterher.
Andreas Warten Sie! Er meint das nicht so!
Tom Ich will Ihnen ja helfen. Vielleicht finde ich im Haus eine Telefonnummer von Australien.
Andreas Ja, vom Reiseveranstalter. So kannst du sie ans Telefon kriegen.
Daniel kehrt langsam zurück Tom eilt ins Haus.
Andreas Möchten Sie einen Kaffee? Ich kenne Toms Familie nicht. Für mich war er jemand anderes, bevor wir hierher kamen.
Daniel Wer?
Andreas Schon gut. In vielen Familien gibt es keinen Kontakt untereinander.
Daniel Ja, was bedeutet das heute noch, meine Familie? Mir bedeutet es sehr viel, weil ich schon sehr lange im Ausland lebe. Was hier selbstverständlich ist, vermisse ich dort.
Andreas Ich bin nur zum Urlaub im Ausland. Man hält Ausschau und amüsiert sich. Dann fliegt man wieder nach Hause.
Daniel Afrika! Dieser Kontinent lässt mich nicht mehr los. Weil dort die meisten wirklich glücklichen Menschen leben. Glück wirkt nämlich ansteckend. Ja, ihr seht im Fernsehen nur die Bilder von Unterernährung und Krieg. Stell dir vor, man würde von Europa nur Bilder von Armut, Krieg und Verbrechen in den Massenmedien verbreiten. Dazu vielleicht noch ein paar Tier- und Naturfilme. Wie lange würde es dauern, bis alle denken, Europa sei ein großer Friedhof, den man nicht zum Vergnügen besucht.
Andreas Das klingt wie ein großes Abenteuer. Und lässt sich bestimmt einbauen. Ein Team kann ich nicht hinschicken, aber wozu gibt es Archive. Innen drehen wir hier, ein paar Bauten, etwas Dekoration. Für Außen verwende ich Archivaufnahmen. Verzeihung, ich denke gern laut.
Daniel Es ist vieles möglich, wenn die Menschen etwas verändern wollen.
Schweigen.
Daniel Jemanden aus der Gemeinschaft auszuschließen, gilt in Afrika als Vergeltung für ein schweres Verbrechen. Ohne soziale Zugehörigkeit zu einem Stamm, einem Clan oder einer Religion hat man dort ein viel größeres Problem als hier.
Andreas Mag sein. Aber zuviel Hintergrund kann ich nicht gebrauchen. Film ist immer nur die Oberfläche. Entweder sehe ich, dass ein Charakter interessant ist, oder er ist eben langweilig. Dann fliegt er raus.
Daniel Ich frage mich manchmal, welches Verbrechen habe ich eigentlich begangen?
Andreas Ich bin ganz Ohr.
Daniel Mord, Vergewaltigung, einen Raubüberfall? Nein, das ist gar nicht notwendig. Wer zu lange im Ausland arbeitet, verliert in Europa den Anschluss. Ist das fair?
Andreas Krass! Ja, ja, das ist wirklich sehr krass.
Daniel Eine andere Lebensauffassung, ein anderer Berufsweg, und man schließt dich aus.
Andreas Interessant! Vielleicht kann ich das irgendwie in die Story-Line einfügen. Das ist ein guter Satz für eine Nebenfigur. Aber jetzt geht es erstmal um alles.
Daniel Ja, sicher, seltsam.
Schweigen.
Daniel Es ist eigentlich nichts vorgefallen. Nichts, außer ein paar Bemerkungen. Einer geht, und hört nicht mehr auf zu gehen. Die Lösung. Man wird ja einmal irgendwo ankommen. Ja, einer bleibt, einer geht.
Andreas Ja, und? Mann, weiter so! Das klingt existenzialistisch. Ich sehe Sie jetzt in schwarz/weiß. Vielleicht drehe ich ja auch in schwarz/weiß.
Daniel Es hat eine Abstoßung stattgefunden, wie zwischen zwei gleich gepolten Magneten. Nichts Aufregendes darüber zu erzählen. Ein Naturphänomen.
Andreas Sie bleiben auf jeden Fall hier. Ich regele das.
Daniel Wer nicht informiert ist, kann nicht reagieren. In Afrika ist man geringer informiert. Wenn überhaupt, weniger über Details. Menschlich reagiert man dort aber als Mensch. Einfach hilfsbereit.
Andreas Tom stellt bestimmt wegen der Telefonnummer das ganze Haus auf den Kopf. Er ist manchmal etwas schroff, aber ansonsten in Ordnung. Mir macht es Spaß, ihm auf die Nerven zu gehen.
Daniel Glaubst du, hier in einer der besten aller Gesellschaften zu leben? Die meisten glauben das doch, oder?
Andreas Rentner nach Afrika! Mehr Entwicklungshilfe! Keine Ahnung.
Daniel Wird bestimmt witzig, dein Film.
Andreas Ja?
Die Nachbarin schleppt einen Pappkarton durch den Garten zur Terrasse.
Edith Bin ich froh, dass endlich wieder jemand da ist. Grüß Gott! Weil ich doch die Kartons auf den Dachboden schaffen muss, wie ich es mit der Sophie verabredet hatte. Bei uns waren durch den Regen die Keller voll gelaufen. Was wir retten konnten, war eingeweicht. Zum Trocknen haben wir es im ganzen Haus verteilt. Ich bin die Nachbarin, da drüben, das ist unser Haus. Wir haben einen Brunnen, von dem speist hier der Garten seine Bewässerung. Die Wasserpreise kann ja niemand mehr bezahlen.
Am besten bohrt sich jeder seinen eigenen Brunnen. Aber wir helfen gern, unserer ist ja nun mal der älteste. Der älteste Brunnen hier in der gesamten Gegend.
Warum sollten Nachbarn ihn nicht mit benutzen? Abgezahlt ist er ja schon lange. Man hilft sich unter Nachbarn, für mich ist das eine Selbstverständlichkeit. Er müsste nur gewartet werden. Die Pumpe saugt Sand, Steine und Erdreich, was da unten alles herum liegt, und verstopft das Saugrohr.
Wissen Sie, wie viel es kostet, einen neuen Brunnen zu bohren?
Andreas Achtung, eine Durchsage: alles an den da drinnen, der kommt gleich da raus.
Edith Sie, ich habe aber nicht den ganzen Tag lang Zeit, hier herum zu stehen.
Andreas So ist das nun mal beim Film. Warten, warten, und wieder warten, bis endlich ein Regisseur sagt: Action!
Edith Sie, ich verlange nichts von ihnen. Nur die Kartons müssen auf den Dachboden bei der Sophie, das hat sie mir persönlich versprochen. Sobald sie trocken sind, hat sie gesagt. Seien Sie bitte so gut, fassen Sie mal mit an!
Daniel Ich?
Andreas Nein, mich hat sie gemeint. Oder haben Sie etwas an den Augen?
Daniel An den Ohren, oder?
Edith Ja, Sie! Da ist doch nichts dabei?
Andreas fasst den Karton an, hebt ihn aber nicht hoch.
Edith Und? Heben!
Andreas Komisch!
Edith Haben Sie etwa einen Hexenschuss?
Andreas Nein. Der ist ja irrsinnig schwer. Sie, wie haben Sie das geschafft? Allein den Karton bis hierher geschleift? Sie haben es aber in den Armen!
Edith Ja, treibt nur euren Schabernack mit alten Leuten! Die Sophie hätte gleich jemanden kommen lassen, der mit anfasst.
Auf einmal sind die weg. Man wundert sich ja. Ein Wochenendausflug möglicherweise, kann ja mal vorkommen. Die brauchen aber gleich die Fernreise, wie ich von der Nachbarin erfahren habe, darunter tun sie es nicht.
Daniel Wir warten selbst.
Andreas Hals über Kopf abgereist? Wie auf der Flucht?
Edith Sie, das wollte ich Sie auch eben fragen. Sind sie auf der Flucht? Was haben sie denn ausgefressen? Nein, man spricht einen Verdacht nicht offen aus. Sie sind ja so liebenswerte Leute.
Daniel Sie sind sogar ganz sicher auf der Flucht. Vor ihrem eigenen Leben, vor sich selbst.
Edith Im Hausflur, im Wohnzimmer, in der Küche, im Badezimmer und sogar im Schlafzimmer stapeln sich bei uns Kartons.
Andreas Sind sie noch feucht? Oder schon getrocknet?
Edith Nur im Zimmer meiner Tochter habe ich auf Stauraum verzichtet. Nicht im Zimmer meiner Tochter!
Andreas Sie haben eine Tochter.
Edith will ins Haus gehen.
Andreas Der sucht da drinnen nach einer Nummer. Sie können jetzt nicht hinein.
Edith Ein Leben zwischen Kartons ist nicht schön. Wenn die Insekten kommen, dann Halleluja!
Daniel Er sucht verdammt lange! Hat er uns vergessen?
Edith Meinen Sie, hier sei weniger Regen runter gekommen, als in Sachsen damals? Der liebe Gott denkt an alle gleich, auch wenn er es über die Jahre verschieden verteilt. Aber Unterstützung gezahlt wird nur dort, wo einer zufällig die Kamera drauf hält! Die Menschen sind nicht so gerecht.
Andreas Wie lange halten sie diese Kartons schon bei sich zu Hause? Gibt es da einen Befall, der sich übertragen könnte?
Edith Nur ins Mauerwerk. Sie können sich das ansehen, wo es schimmelt. Da haben wir aber gleich Maßnahmen ergriffen. Das komplette Haus herunter gekühlt. Was das an Strom kostet! Bis auf das Zimmer meiner Tochter.
Andreas Aber in der Sonne können Sie ihre Jacke vielleicht ausziehen.
Edith Sie, das ist meine Privatsache!
Edith will den Karton wieder anheben, verzieht das Gesicht und hält sich den Rücken.
Edith Den Karton trage ich nicht zurück. Die Sophie hat es mir zugesagt. Darin sind Henkeltassen, die schimmeln nicht.
Daniel Es handelt sich also um Henkeltassen, die auf den Dachboden sollen. Wozu?
Edith Geschenke. Von Ihnen hatte mir die Sophie nicht gesprochen. Sie, ich glaube sie sind ein Privatdetektiv!
Andreas Wir sind hier zum Arbeiten, zur Inspiration. Und tatsächlich verkörpern Sie ein mir vollkommen unbekanntes Genre.
Edith Ich wünsche ihnen das gleiche! Auge um Auge, Zahn um Zahn!
Daniel Aus Übersee. Afrika. Ich besuche meine Vergangenheit.
Edith Lassen Sie mir bloß die Jungen in Ruhe, ja? Wir pflegen hier eine sehr wachsame Nachbarschaft.
Daniel Vielleicht werde ich Ihr neuer Nachbar. Dann gebe ich eine Haschparty. Ich lade Sie dazu ein.
Edith Ja, doch, jetzt erinnere ich mich. Nein, diese Ähnlichkeit! Sie haben sich aber raus gemacht. Ja, doch, der kleine Bub, was einem das Gedächtnis manchmal für Streiche spielt. Früher war ja öfter die Polizei hier. Hasch, das war das Stichwort. Mein Mann ist ja bei der Polizei in Friedrichshafen. Er musste auch mit zum Einsatz, als hier die russischen Kinder vom Himmel fielen. Ja, wenn der Fluglotse nur seinen Mund gehalten hätte! Nichts wäre passiert. Aber weil er sich unbedingt einmischen musste, sind die Flugzeuge oben im Himmel zusammen gerasselt. Es stand ja so in der Zeitung. Bis heute haben sie nicht alle gefunden.
Andreas Ich bin hier gar nicht verwandt. Verzeihung, Sie verwechseln mich.
Daniel Sie meint mich. Und es freut mich, dass wenigstens Sie sich an mich erinnern.
Edith Jetzt muss ich gerade überlegen.
Andreas Wo Tom nur bleibt. Der arbeitet wahrscheinlich wieder, weil ihm etwas eingefallen ist. Mein Gott!
Andreas verschwindet im Haus.
Daniel Und Sie wollen sich an mich erinnern?
Edith Gott, wie die Zeit vergeht. Nein, an Sie erinnere ich mich beim besten Willen nicht.
Daniel Tragen Sie mal hübsch Ihre Alibikiste wieder nach Hause! Keine Sorge, die meisten Menschen sterben immer noch im Bett. Ich werde mich mal in der Gegend hier über Sie erkundigen. Wo Sie Ihre Nase überall reinstecken. Eine neugierige, faschistoide Heckenschützenvereinsgesellschaft, dagegen sind wir früher auf die Straße gegangen. Hat wohl nichts genützt.
Daniel geht eilig.
Edith Was will denn der?
Sie wartet unschlüssig neben ihrem Karton, aus dem Haus Stimmen von einem Wortwechsel.
Edith Jetzt habe ich vergessen, der Katze zu fressen zu geben.
Sie möchte zurück, will ihren Karton jedoch weder allein zurück lassen noch mitnehmen.
Edith Der wird schwul sein, der eine von denen. Drogensüchtig sind sie sowieso alle. Aber die erkennt man nicht immer. Aber einen Schwulen erkenne ich auf hundert Meter Entfernung. Wie die das machen! Vorstellen mag ich es mir nicht. So eine Sauerei!
Tom und Andreas kommen aus dem Haus.
Tom Ist er etwa weg?
Edith Weg. Sind Sie der Neffe von der Sophie?
Tom Schön, jetzt habe ich den Reiseveranstalter erreicht, damit er meine Tante informiert. Konntest Du nicht bei ihm bleiben?
Edith Ich habe die Erlaubnis von Sophie, Kartons auf ihrem Dachboden einzulagern.
Tom Ich möchte heute gar nichts mehr entscheiden. Und auch Sophie im Urlaub nicht belästigen. Nachher bricht sie ihren Urlaub ab, und dann war alles nicht so gemeint.
Edith Falls Sie Probleme mit der Gartenbewässerung bekommen, besprechen Sie das mit meinem Mann. Er schreibt jeden Kubikmeter auf, der aus unserem Brunnen entnommen wird. Seit Jahren! Ein Vermögen, wenn Ihre Verwandten das von den Wasserwerken beziehen müssen. Mein Mann sagt immer, genaue Rechnung, gute Freundschaft.
Tom Entschuldigen Sie meine gereizte Stimmung. Weil man einfach nicht zum Arbeiten kommt. Jede Unterbrechung bringt mich um meine Konzentration.
Andreas Ich dagegen liebe von Unterbrechungen.
Tom Halt jetzt einfach mal deine Fresse!
Edith Ich habe ja den Dachboden gesehen, als sie den Dachgarten haben anlegen lassen, obwohl sie doch so einen großen Garten haben. Da gibt es Platz für alle Kartons, bis unsere Keller ausgetrocknet sind.
Tom Und jetzt haben Sie den einen mitgebracht. Bleibt es dabei?
Edith Ich habe noch einen Haushalt zu versorgen. Ein schönes Gefühl, wenn man endlich wieder Platz um sich herum hat.
Wie im Grab fühlt man sich. In der eigenen Wohnung.
Ein Nachbar, der mit dem Pastor verwandt ist, hat erzählt, dass die Toten auf dem Kirchhof nicht mehr verwesen.
Andreas So?
Edith Ja, sie haben ein Verwesungsproblem. Der Bestatter hat es mir bestätigt. Sie öffnen die Gräber nach zwanzig Jahren, um sie auszumisten. Normalerweise finden sie noch ein paar Knochenreste, höchstens. Aber hier finden sie jetzt die Leichen wie frisch bestattet.
Andreas Vampire. Ungebetener Besuch!
Edith Nein, zu fettreiche Kost. Unsere Wohlstandsgesellschaft stellt sich zu fettes Essen auf den Tisch! Daher verwesen wir nicht mehr. Mit dem Fast Food.
Das erhöht den Fettgehalt des Körpers und fördert so die Entstehung von Wachsleichen. Die konservieren sich selbst. So hat es mir der Bestatter erklärt.
Tom Endlich hast du einen Plot. Worauf wartest du noch!
Andreas Vampirfilme sind mausetot. Ich werde sie wieder beleben.
Edith Wachsleichen, ist das eine Zukunft? Meinen Mann habe ich auf Diät gesetzt.
Schweigen.
Tom Wie viele Kartons insgesamt?
Edith überlegt, rechnet an zwei Händen.
Tom Das kriegen Sie bitte bis morgen raus. Dann sehen wir weiter. Zeigen Sie mir jetzt, wo Sophie den Dachboden für Sie reserviert hat!
Edith Sie sind ein guter Mensch. Gott segne Sie! Und falls irgendwelche ungebetenen Gäste bei ihnen klingeln, die sie bei ihrer Arbeit stören, sagen Sie einfach Bescheid! Mein Mann erledigt das.
Tom trägt den Karton ins Haus. Edith folgt ihm. Andreas spricht in sein Diktiergerät.
Andreas Wenn ich Tom zu einer Hauptfigur in meinem Drehbuch mache, kann ich sagen, eine meiner Hauptfiguren sabotiert meine Arbeit. Es kotzt mich an, dass er ständig Rücksicht nimmt auf den Geist der Tante. Ich habe Lust, meine Theorien zu diskutieren. Die Nordsee ist vernetzt. Die Ostsee auch. Bleibt nur der Ozean zum Schwimmen. Ein bisschen weit da hin. Kein Boot in Sicht.
Copyright 2005, V.E.L.
Bei Die virtuelle Bühne handelt es sich nicht um ein Internet-Forum im klassischen Sinn, sondern um ein "Forumexperiment". Es versucht, die Struktur des Internet-Forums als literarische Form zu generieren. Personen und Handlungen sind frei erfunden.
Donnerstag, November 24, 2005
Sonntag, November 20, 2005
Wie geht es unserer Castor Jenny? Oder Jenny Castor?
Kareen findet, dass Jenny mit ihren radioaktiven Manuskripten eigentlich eine Polizeieskorte verdient hätte, damit sie mit dem ihr gemäßen TamTam ins Theater einzieht, um alle Dramaturgen, die bis drei nicht auf den Bäumen sind, nachhaltig radioaktiv zu beeinflussen.
Auf der Bühne der Zukunft geht also wie gehabt vor der Vorstellung das Licht aus, aber im Unterschied zu heute nicht wieder an, wenn die Vorstellung beginnt. Nein, man wird die Beleuchtungstechnik einsparen und ganz von allein leuchten, mit Hilfe einer Power Kontamination, die für alle Schauspieler zur beruflichen Pflicht erhoben wird.
Die gesellschaftliche Verantwortung der Bühnen wird proportional zu den schwindenden Finanzmitteln steigen, denn Subventionen werden dann nicht mehr nötig sein, weil die Theater den Städten und Gemeinden den Strom liefern und der Strompreis weiter steigt. Also, herzlichen Dank an unsere Jenny Castor,
Eure Kareen (direkt aus dem Katastrophengebiet Bodensee )
Kareen findet, dass Jenny mit ihren radioaktiven Manuskripten eigentlich eine Polizeieskorte verdient hätte, damit sie mit dem ihr gemäßen TamTam ins Theater einzieht, um alle Dramaturgen, die bis drei nicht auf den Bäumen sind, nachhaltig radioaktiv zu beeinflussen.
Auf der Bühne der Zukunft geht also wie gehabt vor der Vorstellung das Licht aus, aber im Unterschied zu heute nicht wieder an, wenn die Vorstellung beginnt. Nein, man wird die Beleuchtungstechnik einsparen und ganz von allein leuchten, mit Hilfe einer Power Kontamination, die für alle Schauspieler zur beruflichen Pflicht erhoben wird.
Die gesellschaftliche Verantwortung der Bühnen wird proportional zu den schwindenden Finanzmitteln steigen, denn Subventionen werden dann nicht mehr nötig sein, weil die Theater den Städten und Gemeinden den Strom liefern und der Strompreis weiter steigt. Also, herzlichen Dank an unsere Jenny Castor,
Eure Kareen (direkt aus dem Katastrophengebiet Bodensee )
Samstag, November 19, 2005
Keine Probleme!
von Jenny per SMS
Hallo Leute, bin auf dem Weg nach Berlin. Nicht erschrecken, habe die absolute Theatersensation im Gepäck. Bin ein bisschen müde, auch sehe ich schlecht auf der Landstraße, es ist nachts und so viele Lichter. Jetzt gehe ich einen Kaffee trinken. Bis Heute oder Morgen, eure Jenny
Versteht ihr das?
von Jenny per SMS
Hallo Leute, bin auf dem Weg nach Berlin. Nicht erschrecken, habe die absolute Theatersensation im Gepäck. Bin ein bisschen müde, auch sehe ich schlecht auf der Landstraße, es ist nachts und so viele Lichter. Jetzt gehe ich einen Kaffee trinken. Bis Heute oder Morgen, eure Jenny
Versteht ihr das?
Dienstag, November 15, 2005
Kareen rief mich an
Im Moment sind die Leute hier total aufgeregt, weil jemand das Trinkwasser von Millionen von Menschen durch einen Giftanschlag im Bodensee vergiften wollte. aus dem Bodensee wird Trinkwasser entnommen, und genau dort fand die Polizei Behälter mit Gift. Wenn es funktioniert hätte, wäre das eine gigantische menschliche Katastrophe gewesen. Ich bin schon gespannt, was unser crazy Lokalautor dazu schreiben wird. Der trifft sich immer noch mit den Filmleuten, die ausgerechnet hier einen Film drehen wollen. Auf die Dreharbeiten bin ich gespannt.
Aber wie es eben so ist: kaum recherchiert man über das Thema Katastrophen, da passieren solche Dinge.
Grüße von Kareen
Im Moment sind die Leute hier total aufgeregt, weil jemand das Trinkwasser von Millionen von Menschen durch einen Giftanschlag im Bodensee vergiften wollte. aus dem Bodensee wird Trinkwasser entnommen, und genau dort fand die Polizei Behälter mit Gift. Wenn es funktioniert hätte, wäre das eine gigantische menschliche Katastrophe gewesen. Ich bin schon gespannt, was unser crazy Lokalautor dazu schreiben wird. Der trifft sich immer noch mit den Filmleuten, die ausgerechnet hier einen Film drehen wollen. Auf die Dreharbeiten bin ich gespannt.
Aber wie es eben so ist: kaum recherchiert man über das Thema Katastrophen, da passieren solche Dinge.
Grüße von Kareen
Mittwoch, November 09, 2005
Jenny an Europas Grenze
Jenny klang sehr verzweifelt am Telefon. Zuerst hatte alles so wundervoll geklappt. Mit der Familie der Autorin war sie einen posthumen Autorinnenvertrag eingegangen, der beide Seiten zufrieden stellte. Dann hatte sie all die radioaktiv kontaminierten Manuskriptseiten in extra dafür hergestellte Bleikisten verpackt und auf einen LKW geladen. Die Ukrainer waren sehr herzlich und zum Abschied gab es eine rauschende Feier mit traditioneller Musik, aber auch mit einer modernen ukrainischen Rockband. Der Vodka floss in Strömen, und fast hätte ein zufällig anwesender Schauspieler eine Bleikiste geöffnet und aus den Manuskripten vorgelesen, aber Jenny konnte ihn gerade noch davon abhalten.
Am nächsten Morgen fand sie sich erstaunlich klar nach so viel Vodka, und Vorgestern am Morgen war sie schleißlich aufgebrochen. Landstraße, immer Richtung Westen. Ihr bisschen Gepäck und die Bleikisten hinten auf dem LKW. Alles kein Problem, keine Kontrollen, kaum Verkehrsschilder, für westliche Verhältnisse leere Straße.
Nach 12 Stunden Fahrt kam sie erschöpft an der europäischen Ostgrenze an. Dort fließt ein kleiner Fluss, Bug genannt, der später in den Narew mündet. Die Grenzabfertigung hatte eine LKW Kolonne zur Folge, so dass sie beschloss, wie sie mir fast weinend berichtete, am Ufer des Grenzflusses etwas auszuruhen. Sie parkte den Wagen, rastete, aß Paprika, Salami und Gurke, und schlief ein.
Durch ein grelles Licht wurde sie geweckt und sie starrte in einen Scheinwerfer. Es war schon dunkel geworden, und sie sah, dass sich Männer an ihrem LKW zu schaffen machten. Sie sprang auf, rannte zu dem LKW und schrie die Typen an. Das hatten die nicht erwartet und flüchteten. Ein anderer LKW Fahrer kam hinzu und half ihr. sie kamen ins Gespräch, und er fragte, was sie geladen hätte. Manuskripte, radioaktiv, antwortete sie, ich werde sie in Deutschland dekontaminieren. Da brach der LKW Fahrer in schallendes Gelächter aus. Was? Wie bitte? Damit kommst du nie über diese Grenze. Das ist die modernste Grenze der Welt, die EU ist hier wie ein Hochsicherheitsgefängnis abgeschottet.
Jenny war entsetzt. Sie rief mich an um Hilfe.
Der LKW Fahrer fragte einen Grenzbeamten, den er privat kannte, ob man mit radioaktiven Stoffen in die europäische Festung hinein käme.
Niemals, soll der geantwortet haben. Eher gehe ein Reicher durch ein Nadelöhr, und so weiter. Aber, es gäbe immer Möglichkeiten, denn der Mensch denkt, aber Gott lenkt.
Jenny will nicht bekehrt werden, aber über die Grenze mit ihren Manuskripten.
Sie ruft wieder an, ich werde berichten.
Euer V.E.L
Jenny klang sehr verzweifelt am Telefon. Zuerst hatte alles so wundervoll geklappt. Mit der Familie der Autorin war sie einen posthumen Autorinnenvertrag eingegangen, der beide Seiten zufrieden stellte. Dann hatte sie all die radioaktiv kontaminierten Manuskriptseiten in extra dafür hergestellte Bleikisten verpackt und auf einen LKW geladen. Die Ukrainer waren sehr herzlich und zum Abschied gab es eine rauschende Feier mit traditioneller Musik, aber auch mit einer modernen ukrainischen Rockband. Der Vodka floss in Strömen, und fast hätte ein zufällig anwesender Schauspieler eine Bleikiste geöffnet und aus den Manuskripten vorgelesen, aber Jenny konnte ihn gerade noch davon abhalten.
Am nächsten Morgen fand sie sich erstaunlich klar nach so viel Vodka, und Vorgestern am Morgen war sie schleißlich aufgebrochen. Landstraße, immer Richtung Westen. Ihr bisschen Gepäck und die Bleikisten hinten auf dem LKW. Alles kein Problem, keine Kontrollen, kaum Verkehrsschilder, für westliche Verhältnisse leere Straße.
Nach 12 Stunden Fahrt kam sie erschöpft an der europäischen Ostgrenze an. Dort fließt ein kleiner Fluss, Bug genannt, der später in den Narew mündet. Die Grenzabfertigung hatte eine LKW Kolonne zur Folge, so dass sie beschloss, wie sie mir fast weinend berichtete, am Ufer des Grenzflusses etwas auszuruhen. Sie parkte den Wagen, rastete, aß Paprika, Salami und Gurke, und schlief ein.
Durch ein grelles Licht wurde sie geweckt und sie starrte in einen Scheinwerfer. Es war schon dunkel geworden, und sie sah, dass sich Männer an ihrem LKW zu schaffen machten. Sie sprang auf, rannte zu dem LKW und schrie die Typen an. Das hatten die nicht erwartet und flüchteten. Ein anderer LKW Fahrer kam hinzu und half ihr. sie kamen ins Gespräch, und er fragte, was sie geladen hätte. Manuskripte, radioaktiv, antwortete sie, ich werde sie in Deutschland dekontaminieren. Da brach der LKW Fahrer in schallendes Gelächter aus. Was? Wie bitte? Damit kommst du nie über diese Grenze. Das ist die modernste Grenze der Welt, die EU ist hier wie ein Hochsicherheitsgefängnis abgeschottet.
Jenny war entsetzt. Sie rief mich an um Hilfe.
Der LKW Fahrer fragte einen Grenzbeamten, den er privat kannte, ob man mit radioaktiven Stoffen in die europäische Festung hinein käme.
Niemals, soll der geantwortet haben. Eher gehe ein Reicher durch ein Nadelöhr, und so weiter. Aber, es gäbe immer Möglichkeiten, denn der Mensch denkt, aber Gott lenkt.
Jenny will nicht bekehrt werden, aber über die Grenze mit ihren Manuskripten.
Sie ruft wieder an, ich werde berichten.
Euer V.E.L
Donnerstag, Oktober 27, 2005
Hallo liebe Überlingen Fans!
Wollte euch das Telefonat mit Kareen nicht vorenthalten. Ich hatte sie wegen des Textes (siehe vorheriger Post) angerufen, den sie mir leider ohne Kommentar per Post zugesandt hatte. Sie hat mir sofort erzählt, dass sie ihn wieder beim Einkaufen im Supermarkt erhalten hat. Und zwar hatte sie ihren Einkaufswagen für einen Moment unbeobachtet im Markt stehen gelassen, um eine einfache Milchtüte zu finden, da lag er dann zwischen den Lebensmitteln. Also, sie sagte auch, dieser unbekannte Autor aus Überlingen gilt dort als ziemlich verschroben und witzig. Aber in Überlingen sollen viele Originale unterwegs sein, findet jedenfalls Kareen.
Wir haben auch über das gestrige Urteil gegen den Hinterbliebenen der Flugzeugkatastrophe gesprochen, der einen Fluglotsen aus der Schweiz bekanntlich erstochen hat. Acht Jahre Zuchthaus, kein mildes Urteil, war unser beider Meinung. Andererseits muss man auch bedenken, dass der Fluglotse von Skyguide vielleicht einmal in seinem Leben einen gravierenden Fehler gemacht hatte, oder sogar nur die Struktur der Flugüberwachung nicht richtig ineinander griff. Denn Selbstjustiz geht ja auch nicht. Nur im Theater sei sie erlaubt!
Schöne Grüße an alle, V.E.L
Wollte euch das Telefonat mit Kareen nicht vorenthalten. Ich hatte sie wegen des Textes (siehe vorheriger Post) angerufen, den sie mir leider ohne Kommentar per Post zugesandt hatte. Sie hat mir sofort erzählt, dass sie ihn wieder beim Einkaufen im Supermarkt erhalten hat. Und zwar hatte sie ihren Einkaufswagen für einen Moment unbeobachtet im Markt stehen gelassen, um eine einfache Milchtüte zu finden, da lag er dann zwischen den Lebensmitteln. Also, sie sagte auch, dieser unbekannte Autor aus Überlingen gilt dort als ziemlich verschroben und witzig. Aber in Überlingen sollen viele Originale unterwegs sein, findet jedenfalls Kareen.
Wir haben auch über das gestrige Urteil gegen den Hinterbliebenen der Flugzeugkatastrophe gesprochen, der einen Fluglotsen aus der Schweiz bekanntlich erstochen hat. Acht Jahre Zuchthaus, kein mildes Urteil, war unser beider Meinung. Andererseits muss man auch bedenken, dass der Fluglotse von Skyguide vielleicht einmal in seinem Leben einen gravierenden Fehler gemacht hatte, oder sogar nur die Struktur der Flugüberwachung nicht richtig ineinander griff. Denn Selbstjustiz geht ja auch nicht. Nur im Theater sei sie erlaubt!
Schöne Grüße an alle, V.E.L
Mittwoch, Oktober 26, 2005
Unknown poet from Ueberlingen,Teil 2
Tom und Andreas hinter einer Jalousie.
Andreas Zum x-ten Mal dieselbe CD.
Tom Kannst du ohne?
Andreas Hätten wir gleich die Party organisiert, gäbe es wenigstens Geschichten.
Tom Das Wetter wird morgen besser.
Andreas Und, wie kommst du voran?
Tom Ja. Wir können im Regen an den See. Und du?
Regengeräusch wird lauter.
Andreas Ich komme mir merkwürdig vor bei dieser Aufgabe.
Tom Beim Baden wird man nass. Augen zu und durch?
Andreas Der Anblick eines verregneten Sees. Eine hübsche Einladung zur nächsten Depression. Der bürgerliche Kunstbegriff. Was nützen einem die besten Seminare, wenn sie am Schluss von einem ganz konventionelle Geschichten verlangen?
Tom Dein Abschlussfilm. Mach, was du willst. Eine Gelegenheit, sich der Branche zu empfehlen.
Andreas Beim Baden wird man nass. Das reicht mir nicht. Ich will, dass die einen Schock kriegen, in den Kinosaal kotzen. So habe ich eine Chance, nur so!
Tom Ich möchte, dass sie lachen.
Andreas Die Medienindustrie selbst ist viel spannender als die Themen, die sie zeigen. Eine Megamaschine, von niemandem kontrolliert, die sich auf der einen Seite selbst auffrisst, um sich auf der anderen Seite neu zu gebären. Und in diesen gefräßigen Transformationsprozess werden wir als Frischfleisch geworfen, von Uniprofessoren voll gestopft mit Idealen wie ethisch sinnvolle Unterhaltung, demokratische Medien, anspruchsvolle Kamera, und so weiter und so fort, du kennst die Litanei. Was wir alles sollen, damit denen einer abgeht! Im Berufsalltag später dürfen wir davon dann tatsächlich keine zwei Prozent mehr realisieren, stimmt´s?
In meinem Drehbuch soll ein fieser Programmchef einer Sendeanstalt vorkommen, der sich privat nur noch Pornos reinzieht, aber dann im Sender darüber entscheidet, ob ein anspruchsvoller, interessanter, spannender, aufklärender Film gesendet wird oder nicht!
Die Leute sollen richtig geil auf diesen tollen Film werden, und dann kommt ihnen dieser fiese Arsch von Programmchef dazwischen. Er ersetzt ihn einfach durch diese billige Unterhaltung, wie sie täglich aus der Glotze raus schwappt. Sie werden diesen tollen Film also niemals zu sehen kriegen.
Schön sauer sollen sie werden, auf all die miesen Programmchefs dieser Republik!
Wenn ich selbst kotze, und das als Film realisiere, kotzen die Zuschauer auch!
Tom Das Budget ist frustrierend. Wenn ich daran denke, höre ich sofort auf. Aber mit einem hervorragenden Buch finden sich eventuell Koproduzenten. Hast du daran schon mal gedacht?
Andreas Klar! Ich schlafe abends mit einem virtuellen Koproduzenten ein und wache morgens mit einem anderen Koproduzenten auf. Ich schlafe deswegen schlecht.
Tom Nein, nein, nein! Dein Lieblingswort. Sind wir hier zum gemeinsamen Arbeiten, ja oder nein?
Andreas Nein. Dein Denken funktioniert wie das verfluchte System. Wer nichts hat, darf keine Ansprüche stellen. Das kann ich für mich als Voraussetzung für dieses Business nicht akzeptieren. Ich möchte nicht abgebaut, sondern aufgebaut werden. Diesen Anspruch habe ich an Förderer, an Koproduzenten, an alle. Ich nehme mir einfach frei weg vom Tablett, auf dieser großen Medien Fuck Parade. Und du?
Regengeräusch ebbt ab.
Tom Ansprüche, noch mal Ansprüche, wie ein Fünf-Sterne-Tourist. Im Haus meiner Tante. Wir haben hier jede Menge kostenlosen Freiraum. Kritik tut ja manchmal verdammt weh, aber sie bringt einen weiter. Ich habe noch keinen einzigen Film von dir gesehen, der mich überzeugt hat, ja? Handwerklich in Ordnung, ein paar ganz nette Effekte ja, aber sonst? Kein überzeugender Plot, keine originellen Ideen, nichts!
Andreas Andere Kulisse, anderer Mensch. Ich frage mich, wie du im Umfeld der Aura deiner Tante kreativ sein kannst. Das baue ich in mein Buch ein, darauf kannst du wetten! Ich stopfe sie als mumifizierte Leiche in die Hausbar. Schön in Cognac gewälzt.
Tom Passen deine Ansprüche überhaupt in deine mickrige Story? Das wird schwer für dich, du als Regisseur. Ich gebe nur die Meinung anderer über dich wieder.
Andreas Wie langweilig, gähn! Warum findet man in künstlerischen Studiengängen vorwiegend Töchter und Söhne höherer Eltern? Das spiegelt das gesamtkulturelle Bild unserer Gesellschaft wieder. Was denkt man sich dabei?
Regengeräusch wird lauter.
Tom Ich sehe mich morgen im Dorfladen eine CD aus der Sparte TV-Werbung, die schönsten Musikmomente des Lebens, kaufen. Wenn das dein Geschmack ist, muss ich hier mit Kopfhörern arbeiten.
Andreas Unterhaltung macht mich immer gemütskrank. Willst du das riskieren?
Tom Hilf einfach mal irgendwem irgendwas. Mir zum Beispiel, hier und jetzt. Dann kommst du selbst besser drauf. Man hatte mich ja vorgewarnt. Manche nennen dich nur noch Arte. Der den Kanal voll hat mit hohen Ansprüchen, aber es kommt nur immer dasselbe heraus.
Andreas greift ein Buch aus einem Regal, schlägt es auf.
Andreas Oh, ein Folterbuch von deinem Onkel.
Tom Was fällt dir ein?
Andreas Amnesty International. Jahresberichte. Ist er Mitglied bei dem Verein?
Tom Pass auf deine Zigarette auf! Eigentlich dürfen wir hier nicht rauchen. Ja, ich kann es verstehen, weil ich Nichtraucher bin. Wenn es Brandflecken gibt, habe ich den Ärger.
Andreas Hier, Brandflecken auf der Haut von Folteropfern. Dein Onkel zieht sich Sachen rein. Krass! Ich brauche noch eine geniale Mordszene, das Buch ist eine Offenbarung. Das borge ich mir als Gute-Nacht-Lektüre.
Tom Mein Onkel ist sozial engagiert. Gebildet, ein kluger Kopf. Gesellschaftlich sehr anerkannt.
Andreas Mann, ist das krass, wenn du das zeigst, kotzen die Zuschauer reihenweise in den Kinosaal. Das Schweigen der Lämmer, nur zehnfach brutal.
Tom Welcher Darsteller macht das mit? In meinen Augen ist das pathologisch, unerträglich auf der Leinwand. Mein Onkel engagiert sich nicht nur für Amnesty. Hier sind Bücher über Greenpeace.
Andreas Erkennt man deutlich am Bücherschrank. Man bekommt es leider niemals wirklich authentisch so fotografiert, dass die Nervenschwachen aus dem Kino rennen.
Und wir machen Filme fast am Ende der Ära der Überbietungsstrategien, wo es darum geht, das Unerträgliche um nur noch wenige Punkte auf der Skala zu steigern. Mit modernerer Technik kann man noch zulegen, aber inhaltlich? Als echt neu wird da sicher nichts mehr erscheinen. Die Zeit der Leinwandskandale ist vorbei. Im Fernsehen ist in geschwätziger Weise dagegen alles möglich. Talk, Talk, Talk!
Tom Du hast hier eine umfangreiche Bibliothek zur Verfügung. Aber ich möchte keine Aschereste zwischen den Seiten finden.
Andreas Glaube nicht, dass er das alles gelesen hat. Wie alt müsste jemand werden, bis er eine Bibliothek durch hätte?
Regengeräusch, wie starker Regenschlag gegen Fensterscheiben.
Tom Ich kenne meinen Onkel eigentlich nicht. Bestimmt liest er wirklich viel. Wird nicht bloß Dekoration sein.
Andreas Ein Sammler von schönen Bücherrücken ist er auf jeden Fall. Sehr attraktiv! Vielleicht finde ich hier ein Motiv für meinen Mord. Mein Detektiv, den ich als Figur noch nicht festgelegt habe, zieht aus der Bibliothek eines Verdächtigen Rückschlüsse auf dessen Charakter. Dabei übersieht er leider, dass der Verdächtige in Wirklichkeit kein einziges Buch aus seiner eigenen Bibliothek gelesen hat, weil er generell nicht liest. Mein Verdächtiger hasst lesen.
Er bekommt die Inhalte neuer Bücher über das Internet als kleine Zusammenfassungen gesendet, so dass er sich trotzdem in der Lage sieht, gesellschaftlich mitzureden. Es gelingt ihm sogar, sich als eingefleischten Bücherwurm darzustellen.
Seine Bibliothek aber hat er sich von einer jungen Innenarchitektin zusammenstellen lassen. Der Zuschauer bekommt diese Information über den Verdächtigen, da baue ich eine nette Affäre mit der Innenarchitektin mit ein, aber der Detektiv liegt dennoch richtig, denn auch eine Dekoration sagt genügend über den Charakter eines Menschen aus. Er ist der Mörder! Wie findest du das?
Tom Genial.
Regengeräusch in Verbindung mit Wind.
Andreas Mal sehen, was ich noch herausfinde. Nur zum Zeitvertreib, solange das Wetter schlecht ist.
Tom Wenn es dir Spaß macht. Vielleicht gehe ich bei diesem schönen Wetter doch an den See.
Andreas Siehst du die Druckstellen im Teppich?
Tom Kaum.
Andreas Haben deine Verwandten etwa einen gebrauchten Teppich gekauft? Das passt nicht zu ihnen.
Tom Keine Ahnung, vielleicht sind sie mal umgezogen, wie auch immer. Meinen Geschmack trifft der sowieso nicht. Ein ziemlich unedles Stück.
Andreas Bei mir würde er auch nicht im Wohnzimmer liegen. Also, die Frage, ob sie ein ästhetisches Empfinden haben, würde ich mit nein beantworten. Aber darum geht es mir nicht.
Tom Dann bin ich ja beruhigt. Wie sollte ich mir sonst dein Interesse für meine Verwandtschaft erklären?
Andreas Du brauchst sie nicht zu verteidigen. Stell dir vor, mein Detektiv betritt die Wohnung des Verdächtigen, wirft ein paar Blicke auf dessen Einrichtung und tritt dann auf diesen Teppich.
Tom Und?
Andreas Die Kamera folgt in einer Makroeinstellung den orientalischen Ornamenten. Ich denke natürlich an Kino, man wähnt sich augenblicklich in einer Moschee, etwas irritiert durch die Teppichhaare, klarer Verfremdungseffekt, dann erreicht die Kamera die Abdrücke im Teppich. Gegenschuss auf die Augen des Detektivs, dann ein Schwenk auf den Verdächtigen, der dem Blick meines Detektivs folgt.
Tom Wenn du das erfolgreich auflöst, bist du wirklich gut.
Andreas Klar, ganz einfach. Der Verdächtige wird blass, die Schlinge um seinen Hals zieht sich langsam zu. Er weiß jetzt, dass der andere weiß, wer der Täter ist, nur die Beweise fehlen.
Tom Und die Handlung. Die fehlt wirklich noch. Bist du wirklich überzeugt von dem Motiv?
Andreas Eine Sequenz, eine von vielen. Ist das gut?
Tom Ja, ich weiß nicht. Irgendetwas fehlt mir zusätzlich noch dabei. Vielleicht stört mich auch nur, dass du alles auf meine Verwandtschaft projizierst.
Andreas Du redest nicht über deine Arbeit. Kein Wort.
Regengeräusche verstummen. Andreas nimmt eine CD aus dem Abspielgerät.
Tom Bitte keine weitere Geräusche CD. Wozu brauchst du so viel Regen in deinem Film? Regen laut, Regen leise, Nieseln, Platzregen, Orkanregen, gleichmäßiger Regen, Regenmusik und so weiter und so fort.
Andreas Der ist für die Atmosphäre unendlich wichtig. Ich möchte eine intensive Herbststimmung: Regen, welke fallende Blätter, Nässe, Depression, wirtschaftlicher Niedergang. Der Ton wird immer wichtiger, der wertet die Bilder fulminant auf. Da sind die Grenzen lange noch nicht ausgereizt.
Tom Arte, eben. Ist das nicht ein ehrenvoller Nickname?
Andreas Lass mich in Ruhe damit!
Tom Und ich dachte bei dem Regen, du planst einen Stummfilm, Arti?
Andreas Hatte ich überlegt. Einen Film für Taubstumme. Aber so weit wie du komme ich da bestimmt nicht. Da bin ich nicht konkurrenzfähig.
Tom geht hinaus. Andreas nimmt sein Diktiergerät.
Andreas Tom mauert sich ein. Bis er verschwunden ist. Sein Problem, Regisseur wird er sowieso nicht. Der klassische Fall von fehl besetzter Studienplatz.
Andreas blättert in einer Zeitschrift. Schaltet sein Diktiergerät ein.
Andreas Hauptfigur, Doppelpunkt. Wenn ich dieses Fernsehprogramm sehe, und die Anzahl der Morde pro Woche zähle, und wie die gemacht sind, kann ich nur sagen: lächerlich! Das sagt alles über das deutsche Fernsehen aus. Doppelpunkt: Lächerlich!
Andreas schaltet das Diktiergerät aus, blättert in der Zeitschrift, schläft ein.
Tom und Andreas hinter einer Jalousie.
Andreas Zum x-ten Mal dieselbe CD.
Tom Kannst du ohne?
Andreas Hätten wir gleich die Party organisiert, gäbe es wenigstens Geschichten.
Tom Das Wetter wird morgen besser.
Andreas Und, wie kommst du voran?
Tom Ja. Wir können im Regen an den See. Und du?
Regengeräusch wird lauter.
Andreas Ich komme mir merkwürdig vor bei dieser Aufgabe.
Tom Beim Baden wird man nass. Augen zu und durch?
Andreas Der Anblick eines verregneten Sees. Eine hübsche Einladung zur nächsten Depression. Der bürgerliche Kunstbegriff. Was nützen einem die besten Seminare, wenn sie am Schluss von einem ganz konventionelle Geschichten verlangen?
Tom Dein Abschlussfilm. Mach, was du willst. Eine Gelegenheit, sich der Branche zu empfehlen.
Andreas Beim Baden wird man nass. Das reicht mir nicht. Ich will, dass die einen Schock kriegen, in den Kinosaal kotzen. So habe ich eine Chance, nur so!
Tom Ich möchte, dass sie lachen.
Andreas Die Medienindustrie selbst ist viel spannender als die Themen, die sie zeigen. Eine Megamaschine, von niemandem kontrolliert, die sich auf der einen Seite selbst auffrisst, um sich auf der anderen Seite neu zu gebären. Und in diesen gefräßigen Transformationsprozess werden wir als Frischfleisch geworfen, von Uniprofessoren voll gestopft mit Idealen wie ethisch sinnvolle Unterhaltung, demokratische Medien, anspruchsvolle Kamera, und so weiter und so fort, du kennst die Litanei. Was wir alles sollen, damit denen einer abgeht! Im Berufsalltag später dürfen wir davon dann tatsächlich keine zwei Prozent mehr realisieren, stimmt´s?
In meinem Drehbuch soll ein fieser Programmchef einer Sendeanstalt vorkommen, der sich privat nur noch Pornos reinzieht, aber dann im Sender darüber entscheidet, ob ein anspruchsvoller, interessanter, spannender, aufklärender Film gesendet wird oder nicht!
Die Leute sollen richtig geil auf diesen tollen Film werden, und dann kommt ihnen dieser fiese Arsch von Programmchef dazwischen. Er ersetzt ihn einfach durch diese billige Unterhaltung, wie sie täglich aus der Glotze raus schwappt. Sie werden diesen tollen Film also niemals zu sehen kriegen.
Schön sauer sollen sie werden, auf all die miesen Programmchefs dieser Republik!
Wenn ich selbst kotze, und das als Film realisiere, kotzen die Zuschauer auch!
Tom Das Budget ist frustrierend. Wenn ich daran denke, höre ich sofort auf. Aber mit einem hervorragenden Buch finden sich eventuell Koproduzenten. Hast du daran schon mal gedacht?
Andreas Klar! Ich schlafe abends mit einem virtuellen Koproduzenten ein und wache morgens mit einem anderen Koproduzenten auf. Ich schlafe deswegen schlecht.
Tom Nein, nein, nein! Dein Lieblingswort. Sind wir hier zum gemeinsamen Arbeiten, ja oder nein?
Andreas Nein. Dein Denken funktioniert wie das verfluchte System. Wer nichts hat, darf keine Ansprüche stellen. Das kann ich für mich als Voraussetzung für dieses Business nicht akzeptieren. Ich möchte nicht abgebaut, sondern aufgebaut werden. Diesen Anspruch habe ich an Förderer, an Koproduzenten, an alle. Ich nehme mir einfach frei weg vom Tablett, auf dieser großen Medien Fuck Parade. Und du?
Regengeräusch ebbt ab.
Tom Ansprüche, noch mal Ansprüche, wie ein Fünf-Sterne-Tourist. Im Haus meiner Tante. Wir haben hier jede Menge kostenlosen Freiraum. Kritik tut ja manchmal verdammt weh, aber sie bringt einen weiter. Ich habe noch keinen einzigen Film von dir gesehen, der mich überzeugt hat, ja? Handwerklich in Ordnung, ein paar ganz nette Effekte ja, aber sonst? Kein überzeugender Plot, keine originellen Ideen, nichts!
Andreas Andere Kulisse, anderer Mensch. Ich frage mich, wie du im Umfeld der Aura deiner Tante kreativ sein kannst. Das baue ich in mein Buch ein, darauf kannst du wetten! Ich stopfe sie als mumifizierte Leiche in die Hausbar. Schön in Cognac gewälzt.
Tom Passen deine Ansprüche überhaupt in deine mickrige Story? Das wird schwer für dich, du als Regisseur. Ich gebe nur die Meinung anderer über dich wieder.
Andreas Wie langweilig, gähn! Warum findet man in künstlerischen Studiengängen vorwiegend Töchter und Söhne höherer Eltern? Das spiegelt das gesamtkulturelle Bild unserer Gesellschaft wieder. Was denkt man sich dabei?
Regengeräusch wird lauter.
Tom Ich sehe mich morgen im Dorfladen eine CD aus der Sparte TV-Werbung, die schönsten Musikmomente des Lebens, kaufen. Wenn das dein Geschmack ist, muss ich hier mit Kopfhörern arbeiten.
Andreas Unterhaltung macht mich immer gemütskrank. Willst du das riskieren?
Tom Hilf einfach mal irgendwem irgendwas. Mir zum Beispiel, hier und jetzt. Dann kommst du selbst besser drauf. Man hatte mich ja vorgewarnt. Manche nennen dich nur noch Arte. Der den Kanal voll hat mit hohen Ansprüchen, aber es kommt nur immer dasselbe heraus.
Andreas greift ein Buch aus einem Regal, schlägt es auf.
Andreas Oh, ein Folterbuch von deinem Onkel.
Tom Was fällt dir ein?
Andreas Amnesty International. Jahresberichte. Ist er Mitglied bei dem Verein?
Tom Pass auf deine Zigarette auf! Eigentlich dürfen wir hier nicht rauchen. Ja, ich kann es verstehen, weil ich Nichtraucher bin. Wenn es Brandflecken gibt, habe ich den Ärger.
Andreas Hier, Brandflecken auf der Haut von Folteropfern. Dein Onkel zieht sich Sachen rein. Krass! Ich brauche noch eine geniale Mordszene, das Buch ist eine Offenbarung. Das borge ich mir als Gute-Nacht-Lektüre.
Tom Mein Onkel ist sozial engagiert. Gebildet, ein kluger Kopf. Gesellschaftlich sehr anerkannt.
Andreas Mann, ist das krass, wenn du das zeigst, kotzen die Zuschauer reihenweise in den Kinosaal. Das Schweigen der Lämmer, nur zehnfach brutal.
Tom Welcher Darsteller macht das mit? In meinen Augen ist das pathologisch, unerträglich auf der Leinwand. Mein Onkel engagiert sich nicht nur für Amnesty. Hier sind Bücher über Greenpeace.
Andreas Erkennt man deutlich am Bücherschrank. Man bekommt es leider niemals wirklich authentisch so fotografiert, dass die Nervenschwachen aus dem Kino rennen.
Und wir machen Filme fast am Ende der Ära der Überbietungsstrategien, wo es darum geht, das Unerträgliche um nur noch wenige Punkte auf der Skala zu steigern. Mit modernerer Technik kann man noch zulegen, aber inhaltlich? Als echt neu wird da sicher nichts mehr erscheinen. Die Zeit der Leinwandskandale ist vorbei. Im Fernsehen ist in geschwätziger Weise dagegen alles möglich. Talk, Talk, Talk!
Tom Du hast hier eine umfangreiche Bibliothek zur Verfügung. Aber ich möchte keine Aschereste zwischen den Seiten finden.
Andreas Glaube nicht, dass er das alles gelesen hat. Wie alt müsste jemand werden, bis er eine Bibliothek durch hätte?
Regengeräusch, wie starker Regenschlag gegen Fensterscheiben.
Tom Ich kenne meinen Onkel eigentlich nicht. Bestimmt liest er wirklich viel. Wird nicht bloß Dekoration sein.
Andreas Ein Sammler von schönen Bücherrücken ist er auf jeden Fall. Sehr attraktiv! Vielleicht finde ich hier ein Motiv für meinen Mord. Mein Detektiv, den ich als Figur noch nicht festgelegt habe, zieht aus der Bibliothek eines Verdächtigen Rückschlüsse auf dessen Charakter. Dabei übersieht er leider, dass der Verdächtige in Wirklichkeit kein einziges Buch aus seiner eigenen Bibliothek gelesen hat, weil er generell nicht liest. Mein Verdächtiger hasst lesen.
Er bekommt die Inhalte neuer Bücher über das Internet als kleine Zusammenfassungen gesendet, so dass er sich trotzdem in der Lage sieht, gesellschaftlich mitzureden. Es gelingt ihm sogar, sich als eingefleischten Bücherwurm darzustellen.
Seine Bibliothek aber hat er sich von einer jungen Innenarchitektin zusammenstellen lassen. Der Zuschauer bekommt diese Information über den Verdächtigen, da baue ich eine nette Affäre mit der Innenarchitektin mit ein, aber der Detektiv liegt dennoch richtig, denn auch eine Dekoration sagt genügend über den Charakter eines Menschen aus. Er ist der Mörder! Wie findest du das?
Tom Genial.
Regengeräusch in Verbindung mit Wind.
Andreas Mal sehen, was ich noch herausfinde. Nur zum Zeitvertreib, solange das Wetter schlecht ist.
Tom Wenn es dir Spaß macht. Vielleicht gehe ich bei diesem schönen Wetter doch an den See.
Andreas Siehst du die Druckstellen im Teppich?
Tom Kaum.
Andreas Haben deine Verwandten etwa einen gebrauchten Teppich gekauft? Das passt nicht zu ihnen.
Tom Keine Ahnung, vielleicht sind sie mal umgezogen, wie auch immer. Meinen Geschmack trifft der sowieso nicht. Ein ziemlich unedles Stück.
Andreas Bei mir würde er auch nicht im Wohnzimmer liegen. Also, die Frage, ob sie ein ästhetisches Empfinden haben, würde ich mit nein beantworten. Aber darum geht es mir nicht.
Tom Dann bin ich ja beruhigt. Wie sollte ich mir sonst dein Interesse für meine Verwandtschaft erklären?
Andreas Du brauchst sie nicht zu verteidigen. Stell dir vor, mein Detektiv betritt die Wohnung des Verdächtigen, wirft ein paar Blicke auf dessen Einrichtung und tritt dann auf diesen Teppich.
Tom Und?
Andreas Die Kamera folgt in einer Makroeinstellung den orientalischen Ornamenten. Ich denke natürlich an Kino, man wähnt sich augenblicklich in einer Moschee, etwas irritiert durch die Teppichhaare, klarer Verfremdungseffekt, dann erreicht die Kamera die Abdrücke im Teppich. Gegenschuss auf die Augen des Detektivs, dann ein Schwenk auf den Verdächtigen, der dem Blick meines Detektivs folgt.
Tom Wenn du das erfolgreich auflöst, bist du wirklich gut.
Andreas Klar, ganz einfach. Der Verdächtige wird blass, die Schlinge um seinen Hals zieht sich langsam zu. Er weiß jetzt, dass der andere weiß, wer der Täter ist, nur die Beweise fehlen.
Tom Und die Handlung. Die fehlt wirklich noch. Bist du wirklich überzeugt von dem Motiv?
Andreas Eine Sequenz, eine von vielen. Ist das gut?
Tom Ja, ich weiß nicht. Irgendetwas fehlt mir zusätzlich noch dabei. Vielleicht stört mich auch nur, dass du alles auf meine Verwandtschaft projizierst.
Andreas Du redest nicht über deine Arbeit. Kein Wort.
Regengeräusche verstummen. Andreas nimmt eine CD aus dem Abspielgerät.
Tom Bitte keine weitere Geräusche CD. Wozu brauchst du so viel Regen in deinem Film? Regen laut, Regen leise, Nieseln, Platzregen, Orkanregen, gleichmäßiger Regen, Regenmusik und so weiter und so fort.
Andreas Der ist für die Atmosphäre unendlich wichtig. Ich möchte eine intensive Herbststimmung: Regen, welke fallende Blätter, Nässe, Depression, wirtschaftlicher Niedergang. Der Ton wird immer wichtiger, der wertet die Bilder fulminant auf. Da sind die Grenzen lange noch nicht ausgereizt.
Tom Arte, eben. Ist das nicht ein ehrenvoller Nickname?
Andreas Lass mich in Ruhe damit!
Tom Und ich dachte bei dem Regen, du planst einen Stummfilm, Arti?
Andreas Hatte ich überlegt. Einen Film für Taubstumme. Aber so weit wie du komme ich da bestimmt nicht. Da bin ich nicht konkurrenzfähig.
Tom geht hinaus. Andreas nimmt sein Diktiergerät.
Andreas Tom mauert sich ein. Bis er verschwunden ist. Sein Problem, Regisseur wird er sowieso nicht. Der klassische Fall von fehl besetzter Studienplatz.
Andreas blättert in einer Zeitschrift. Schaltet sein Diktiergerät ein.
Andreas Hauptfigur, Doppelpunkt. Wenn ich dieses Fernsehprogramm sehe, und die Anzahl der Morde pro Woche zähle, und wie die gemacht sind, kann ich nur sagen: lächerlich! Das sagt alles über das deutsche Fernsehen aus. Doppelpunkt: Lächerlich!
Andreas schaltet das Diktiergerät aus, blättert in der Zeitschrift, schläft ein.
Mittwoch, Oktober 19, 2005
Jenny schreibt über ihren Erfolg
Ich kann zum Glück darüber lachen, was Kareens Meinung betrifft, ich betreibe Leichenfledderei. Hast du wirklich gedacht, wir informieren nicht die Angehörigen un organisieren kein Begräbnis? Ich denke, da betreiben ganz andere Leichenfledderei, zum Beispiel einige Verlage, die Autorenrechte vermarkten, die ihnen nie vom Autor übertragen worden sind.
Ich habe die Koffer mit den Texten der Verstorbenen vertraglich abgesichert bar von ihren Erben gekauft, was uns eine Summe kostet, die das Theater in diesem Fall leicht verkraften kann.
Das Begräbnis war herzzereissend, allein die Totenmesse in der christlich orthodoxen Kirche ein unvergessliches Erlebnis. Offene Särge wurden während des Gottesdienstes herein getragen, ein unglaublicher Leichengeruch lag in der Luft, wunderbare Chorgesänge ertönten, Kerzen wurden auf Leuchter gesteckt und nebenbei wurde auch noch getauft. Aus unserem Kirchenverständnis heraus alles sehr ungewohnt, vor der Kirche lagerten Bettler, ich empfand alles wie eine Reise in eine andere Zeit. Ich werde euch noch ganz ausführlich darüber berichten, wenn ich erst zurück bin.
Und genau da liegt das Problem, natürlich nicht für mich, sondern für die Texte, die ja nun leider, wir haben das mit Hilfe eines Geigerzählers gemessen, stark radioaktiv verseucht sind. Und wie soll das nach Deutschland transportiert werden? Also, ich kann natürlich die Koffer nicht einfach im Zug mitnehmen. auch fotokopieren geht nicht, der Kopierer müsste anschließend als Sondermüll entsorgt werden.
Daher meine Bitte an euch: Habt ihr vielleicht eine Idee? Und immer daran denken, diese Texte werden die literarische Sensation der nächsten Jahre werden!!!!
Ich kann zum Glück darüber lachen, was Kareens Meinung betrifft, ich betreibe Leichenfledderei. Hast du wirklich gedacht, wir informieren nicht die Angehörigen un organisieren kein Begräbnis? Ich denke, da betreiben ganz andere Leichenfledderei, zum Beispiel einige Verlage, die Autorenrechte vermarkten, die ihnen nie vom Autor übertragen worden sind.
Ich habe die Koffer mit den Texten der Verstorbenen vertraglich abgesichert bar von ihren Erben gekauft, was uns eine Summe kostet, die das Theater in diesem Fall leicht verkraften kann.
Das Begräbnis war herzzereissend, allein die Totenmesse in der christlich orthodoxen Kirche ein unvergessliches Erlebnis. Offene Särge wurden während des Gottesdienstes herein getragen, ein unglaublicher Leichengeruch lag in der Luft, wunderbare Chorgesänge ertönten, Kerzen wurden auf Leuchter gesteckt und nebenbei wurde auch noch getauft. Aus unserem Kirchenverständnis heraus alles sehr ungewohnt, vor der Kirche lagerten Bettler, ich empfand alles wie eine Reise in eine andere Zeit. Ich werde euch noch ganz ausführlich darüber berichten, wenn ich erst zurück bin.
Und genau da liegt das Problem, natürlich nicht für mich, sondern für die Texte, die ja nun leider, wir haben das mit Hilfe eines Geigerzählers gemessen, stark radioaktiv verseucht sind. Und wie soll das nach Deutschland transportiert werden? Also, ich kann natürlich die Koffer nicht einfach im Zug mitnehmen. auch fotokopieren geht nicht, der Kopierer müsste anschließend als Sondermüll entsorgt werden.
Daher meine Bitte an euch: Habt ihr vielleicht eine Idee? Und immer daran denken, diese Texte werden die literarische Sensation der nächsten Jahre werden!!!!
Freitag, Oktober 14, 2005
Unknown poet from Ueberlingen, sent by Kareen
Ein Bungalow mit Öko-Dachgarten. Oben Tom mit einem Diktiergerät. Im Garten unten Andreas, ebenfalls mit einem Diktiergerät. Von Zeit zu Zeit sprechen sie in ihre Diktiergeräte. Im Garten sprengt die Bewässerungsanlage mit regelmäßigen Unterbrechungen Beete und Rasenfläche. Andreas springt zur Seite, als die Bewässerung wieder einsetzt.
Tom Irgend so ein osteuropäisches Kunstgenie, der trotz seiner Genialität im Westen vollkommen unbekannt ist. Sagen wir ein Filmemacher von der Klasse eines Tarkovski, oder nein, das wäre ein schlechtes Beispiel, weil den ja hauptsächlich der Westen bekannt gemacht hat, nein, jemand, dessen Namen wir nicht kennen.
Andreas Bei ihrer Ankunft im Haus seiner Tante fanden sie einen Zettel, worauf diese Tante genauestens notiert hatte, wie sie sich in ihrem Haus zu verhalten hätten. Sie würdigte also ihren Neffen zum Aufpasser für ihr Eigentum herab, womit sie ihn unbeabsichtigt vor die entscheidende Wahl stellte: entweder ihren Besitz zu zerstören, um sich aus dieser miesen Rolle zu befreien, oder ihren Besitz zu schützen, und sich durch diese Rolle vor den anderen fürchterlich lächerlich zu machen, was zur Konsequenz hätte, sich selbst zu zerstören.
Tom Nehmen wir vielleicht besser anstelle eines Filmemachers einen Schriftsteller, um den Etat nicht durch überflüssige Bauten zu belasten. Das im Westen schon beinahe lächerliche Wort des Dichters, oder gar des Nationaldichters, hat jedoch in einem Land wie Armenien oder Aserbaidschan noch einen gewichtigen Klang. Vielleicht gerade deshalb, weil man dort auf die eigene Tradition sieht, um sich gegen die kulturelle Hegemonie des Westens zu wehren. Wenn also vielleicht dieser im Westen unbekannte grusinische oder kaukasische Nationaldichter seine lokale Berühmtheit dadurch erlangt hätte, dass er eben diesen Westen in den Augen seiner Landsleute tatsächlich lächerlich machte?
Andreas Das Ganze entwickelt sich zum Konflikt zwischen den Parteien, der furios eskaliert. Und da fangen leider die Schwierigkeiten an, denn das Budget gibt eine Eskalation, wie ich sie mir in allen Einzelheiten vorstelle, leider nicht her. Und auf leises, psychologisches gegenseitiges Zermartern stehe ich nicht. Ende der Durchsage.
Tom ruft vom Dachgarten herunter.
Tom Andreas?
Andreas Ruhe, bitte!
Tom Und action! Würdest du bitte dort, wo der Wassersprenger nicht hinreicht, mit der Kanne gießen?
Andreas Nein!
Tom In der Garage steht eine Gießkanne. Bitte, den einen Gefallen, ja?
Andreas setzt Kopfhörer auf.
Tom Berühmt durch einen Frontalangriff auf die Kultur des Westens, aber ansonsten ein kleiner, schmieriger Kulturapparatschik, einer von vielen, aber einer, der eben zufällig, im Gegensatz zu den zig anderen Apparatschiks, tatsächlich schreiben kann.
Bekannt von ihm waren so Sätze wie “die Kultur des Westens ist wie eine Eiterbeule am schlaffen Hoden eines impotenten Zuchtstiers”, oder “im Westen ist der Künstler ein Lakai, der sich seinen Sponsoren mit geöffnetem Mund als Spucknapf zur Verfügung stellt, weil er darauf hofft, von deren Infektiösem satt zu werden.”
Solch wütende Auswürfe wurden dann in einem prowestlichen Blatt vor den Augen der einheimischen Leser als Gebrabbel eines Eingeborenen zerpflückt, um sofort von einem anderen Blatt in höchster patriotischer Emphase als gefälliger Ausdruck endogener Kultur in den Himmel gelobt zu werden.
Andreas Wie kommt einer zu Tode, im Drehbuch schreibt man den einfach weg, aber das kapiert keiner, im Movie möchte ich bitteschön sehen, warum die Person stirbt. Und ich will, dass es spannend und originell gemacht ist. Ich bin mir der krassen Meinung sicher, dass der Kugeltod im deutschen Fernsehen und im internationalen Kino satt überreizt ist.
Welcher Regisseur heute in einem Film, oder im TV Movie noch eine Knarre auftreten lässt, lebt sicher hoffnungslos antiquiert. Out ist meiner Meinung nach auch der Tod per PKW. Schade für die guten Stuntmen! Ich kann es aber leider nicht mehr mit anschauen, wie sich wieder einer über die Blechkarosse abrollen lässt, der nicht annähernd die Figur und Bewegungen des Hauptdarstellers hat.
Und, noch so ein Fall von Überreizung eines Klischees, das brennende Opfer, das schreiend weg läuft, finde ich zum Brüllen komisch. Wie viele Prozent der Erdbevölkerung sterben tatsächlich auf diese Weise? Muss das sein, nur damit man auch noch einen Pyrotechniker beschäftigt?
Ja, mir bleibt eigentlich nur der Tod am Strang, der ja manchmal sehr lange dauern soll, und aus diesem Grund selten realistisch gezeigt wird.
Filmisch kennt man nur den Knacks, den glatten Genickbruch aus angemessener Fallhöhe, der ebenso praktikabel, aber in Wirklichkeit selten ist, wodurch eben die Geschichte so gebaut werden muss, dass er glaubwürdig erscheint. Viel zu teuer, viel zu kompliziert!
Das geht mir überhaupt alles auf die Nerven. Dieses ganze Moviegemache ist selten öde.
Pause! Ich mache Pause!
(Mein Kommentar dazu: http://www.stationeast.net/ostbahnhof/media/luedecke.htm
Ein Bungalow mit Öko-Dachgarten. Oben Tom mit einem Diktiergerät. Im Garten unten Andreas, ebenfalls mit einem Diktiergerät. Von Zeit zu Zeit sprechen sie in ihre Diktiergeräte. Im Garten sprengt die Bewässerungsanlage mit regelmäßigen Unterbrechungen Beete und Rasenfläche. Andreas springt zur Seite, als die Bewässerung wieder einsetzt.
Tom Irgend so ein osteuropäisches Kunstgenie, der trotz seiner Genialität im Westen vollkommen unbekannt ist. Sagen wir ein Filmemacher von der Klasse eines Tarkovski, oder nein, das wäre ein schlechtes Beispiel, weil den ja hauptsächlich der Westen bekannt gemacht hat, nein, jemand, dessen Namen wir nicht kennen.
Andreas Bei ihrer Ankunft im Haus seiner Tante fanden sie einen Zettel, worauf diese Tante genauestens notiert hatte, wie sie sich in ihrem Haus zu verhalten hätten. Sie würdigte also ihren Neffen zum Aufpasser für ihr Eigentum herab, womit sie ihn unbeabsichtigt vor die entscheidende Wahl stellte: entweder ihren Besitz zu zerstören, um sich aus dieser miesen Rolle zu befreien, oder ihren Besitz zu schützen, und sich durch diese Rolle vor den anderen fürchterlich lächerlich zu machen, was zur Konsequenz hätte, sich selbst zu zerstören.
Tom Nehmen wir vielleicht besser anstelle eines Filmemachers einen Schriftsteller, um den Etat nicht durch überflüssige Bauten zu belasten. Das im Westen schon beinahe lächerliche Wort des Dichters, oder gar des Nationaldichters, hat jedoch in einem Land wie Armenien oder Aserbaidschan noch einen gewichtigen Klang. Vielleicht gerade deshalb, weil man dort auf die eigene Tradition sieht, um sich gegen die kulturelle Hegemonie des Westens zu wehren. Wenn also vielleicht dieser im Westen unbekannte grusinische oder kaukasische Nationaldichter seine lokale Berühmtheit dadurch erlangt hätte, dass er eben diesen Westen in den Augen seiner Landsleute tatsächlich lächerlich machte?
Andreas Das Ganze entwickelt sich zum Konflikt zwischen den Parteien, der furios eskaliert. Und da fangen leider die Schwierigkeiten an, denn das Budget gibt eine Eskalation, wie ich sie mir in allen Einzelheiten vorstelle, leider nicht her. Und auf leises, psychologisches gegenseitiges Zermartern stehe ich nicht. Ende der Durchsage.
Tom ruft vom Dachgarten herunter.
Tom Andreas?
Andreas Ruhe, bitte!
Tom Und action! Würdest du bitte dort, wo der Wassersprenger nicht hinreicht, mit der Kanne gießen?
Andreas Nein!
Tom In der Garage steht eine Gießkanne. Bitte, den einen Gefallen, ja?
Andreas setzt Kopfhörer auf.
Tom Berühmt durch einen Frontalangriff auf die Kultur des Westens, aber ansonsten ein kleiner, schmieriger Kulturapparatschik, einer von vielen, aber einer, der eben zufällig, im Gegensatz zu den zig anderen Apparatschiks, tatsächlich schreiben kann.
Bekannt von ihm waren so Sätze wie “die Kultur des Westens ist wie eine Eiterbeule am schlaffen Hoden eines impotenten Zuchtstiers”, oder “im Westen ist der Künstler ein Lakai, der sich seinen Sponsoren mit geöffnetem Mund als Spucknapf zur Verfügung stellt, weil er darauf hofft, von deren Infektiösem satt zu werden.”
Solch wütende Auswürfe wurden dann in einem prowestlichen Blatt vor den Augen der einheimischen Leser als Gebrabbel eines Eingeborenen zerpflückt, um sofort von einem anderen Blatt in höchster patriotischer Emphase als gefälliger Ausdruck endogener Kultur in den Himmel gelobt zu werden.
Andreas Wie kommt einer zu Tode, im Drehbuch schreibt man den einfach weg, aber das kapiert keiner, im Movie möchte ich bitteschön sehen, warum die Person stirbt. Und ich will, dass es spannend und originell gemacht ist. Ich bin mir der krassen Meinung sicher, dass der Kugeltod im deutschen Fernsehen und im internationalen Kino satt überreizt ist.
Welcher Regisseur heute in einem Film, oder im TV Movie noch eine Knarre auftreten lässt, lebt sicher hoffnungslos antiquiert. Out ist meiner Meinung nach auch der Tod per PKW. Schade für die guten Stuntmen! Ich kann es aber leider nicht mehr mit anschauen, wie sich wieder einer über die Blechkarosse abrollen lässt, der nicht annähernd die Figur und Bewegungen des Hauptdarstellers hat.
Und, noch so ein Fall von Überreizung eines Klischees, das brennende Opfer, das schreiend weg läuft, finde ich zum Brüllen komisch. Wie viele Prozent der Erdbevölkerung sterben tatsächlich auf diese Weise? Muss das sein, nur damit man auch noch einen Pyrotechniker beschäftigt?
Ja, mir bleibt eigentlich nur der Tod am Strang, der ja manchmal sehr lange dauern soll, und aus diesem Grund selten realistisch gezeigt wird.
Filmisch kennt man nur den Knacks, den glatten Genickbruch aus angemessener Fallhöhe, der ebenso praktikabel, aber in Wirklichkeit selten ist, wodurch eben die Geschichte so gebaut werden muss, dass er glaubwürdig erscheint. Viel zu teuer, viel zu kompliziert!
Das geht mir überhaupt alles auf die Nerven. Dieses ganze Moviegemache ist selten öde.
Pause! Ich mache Pause!
(Mein Kommentar dazu: http://www.stationeast.net/ostbahnhof/media/luedecke.htm
Hallo Leute, diese Auswüchse in unserer Zusammenarbeit hätte ich mir früher nicht vorstellen können. Aber, nun ja, was kann ich da erwarten?
Ich sag es mal ganz direkt: Jenny, was du da machst, das ist Leichenfledderei!!
Denk mal darüber nach, vielleicht hat diese Autorin ja Angehörige, die sie bestatten wollen. Aber du willst die Texte unter ihrer Leiche hervorzerren und damit triumphierend das Weite suchen. Ich finde das nicht schön. Selbst die größte literarische Entdeckung, das allerheimlichste Geheimnis und die größte Aufklärungswirkung rechtfertigen nicht ein so gemeines Verhalten!
Ok, das musste raus, ich will niemanden persönlich beleidigen. Übrigens, hier passieren auch seltsame Dinge. Hatte euch doch von diesen beiden Filmregisseuren, oder Regiestudenten, was auch immer, erzählt. Der durchgeknallte Dichter hat sich doch tatsächlich an die ran gemacht. Dabei ignorieren die den völlig, ich glaube, der geht denen ordentlich auf die Nerven.
Aber es kommt noch besser! Treffe ihn in einem Supermarkt, Edeka oder Real, glaube ich, da geht der dicht an mir vorbei und schiebt auf einmal eine Rolle Papier in meinen Einkaufswagen. Wow, ich dachte ein unsittlicher Antrag, aber es war nur, was er geschrieben hatte. Der verspricht sich wohl von allen Fremden, die in Überlingen auftauchen, die Befreiung aus seiner Provinzhölle.
Den Text habe ich dir per Brief geschickt, war mit einer alten Schreibmaschine geschrieben. Danke fürs posten, bis bald, Eure Kareen
Ich sag es mal ganz direkt: Jenny, was du da machst, das ist Leichenfledderei!!
Denk mal darüber nach, vielleicht hat diese Autorin ja Angehörige, die sie bestatten wollen. Aber du willst die Texte unter ihrer Leiche hervorzerren und damit triumphierend das Weite suchen. Ich finde das nicht schön. Selbst die größte literarische Entdeckung, das allerheimlichste Geheimnis und die größte Aufklärungswirkung rechtfertigen nicht ein so gemeines Verhalten!
Ok, das musste raus, ich will niemanden persönlich beleidigen. Übrigens, hier passieren auch seltsame Dinge. Hatte euch doch von diesen beiden Filmregisseuren, oder Regiestudenten, was auch immer, erzählt. Der durchgeknallte Dichter hat sich doch tatsächlich an die ran gemacht. Dabei ignorieren die den völlig, ich glaube, der geht denen ordentlich auf die Nerven.
Aber es kommt noch besser! Treffe ihn in einem Supermarkt, Edeka oder Real, glaube ich, da geht der dicht an mir vorbei und schiebt auf einmal eine Rolle Papier in meinen Einkaufswagen. Wow, ich dachte ein unsittlicher Antrag, aber es war nur, was er geschrieben hatte. Der verspricht sich wohl von allen Fremden, die in Überlingen auftauchen, die Befreiung aus seiner Provinzhölle.
Den Text habe ich dir per Brief geschickt, war mit einer alten Schreibmaschine geschrieben. Danke fürs posten, bis bald, Eure Kareen
Samstag, Oktober 08, 2005
Jenny´s Nachricht aus der radioaktiven Zone: Ja, Ja, Ja! Ich habe mit Hilfe der Einheimischen die Autorin ausfindig gemacht. Leute, das ist eine Sensation. Dieser Fund wird das europäische Theater verändern, wir werden Zeugen einer schleichenden Katastrophe, die sich bald an uns selbst vollzieht.
Also, es war eine wirklich schwierige Mission. Wir fragten alle in der Tschernobyl Zone verbliebenen Bewohner, die wir erreichen konnten. Das allein war schon unglaublich schwierig, da sie sich vor Polizei und Militär verstecken. Was wir über die Autorin erfahren konnten, war sehr vage, beinahe jeder wusste etwas von ihr, aber niemand etwas konkretes. einige sagten, es sei schon sehr lange her, dass sie von ihr gehört hätten. Wir suchten also weiter, und das unter Lebensgefahr in diesem Gebiet.
Schließlich erhielten wir den entscheidenden Tip durch Beziehungen eines Einheimischen zum Militär. Ich weiß nicht, wie viele Kisten Vodka die Truppe dafür erhalten hat, aber egal, Hauptsache wir bekommen den Stoff!
Es war total gespenstisch, als wir sie in einer alten Bunkeranlage fanden. Sie hatte wohl bis zuletzt geschrieben, war aber inzwischen teilweise skellettiert. Alle Texte handschriftlich auf altem Faxpapier des Kraftwerks verfasst, stapeln sich in mehreren nummerierten Koffern. Ich schätze etwa zwei Zentner Texte. Sie sitzt noch an einem alten Holztisch, über einem halbfertigen Text. Wegen des Feinstaubes darin mussten wir wieder los, Atemschutzmasken besorgen, wer holt sich schon gern Lungenkrebs? Wollte euch aber darüber vorab informieren. Die Diskussionen mit Kareen gehen mir übrigens am A. vorbei. Diese Sensation hier kann sie sowieso nicht überbieten. Melde mich wieder bald, Grüße, Jenny
Also, es war eine wirklich schwierige Mission. Wir fragten alle in der Tschernobyl Zone verbliebenen Bewohner, die wir erreichen konnten. Das allein war schon unglaublich schwierig, da sie sich vor Polizei und Militär verstecken. Was wir über die Autorin erfahren konnten, war sehr vage, beinahe jeder wusste etwas von ihr, aber niemand etwas konkretes. einige sagten, es sei schon sehr lange her, dass sie von ihr gehört hätten. Wir suchten also weiter, und das unter Lebensgefahr in diesem Gebiet.
Schließlich erhielten wir den entscheidenden Tip durch Beziehungen eines Einheimischen zum Militär. Ich weiß nicht, wie viele Kisten Vodka die Truppe dafür erhalten hat, aber egal, Hauptsache wir bekommen den Stoff!
Es war total gespenstisch, als wir sie in einer alten Bunkeranlage fanden. Sie hatte wohl bis zuletzt geschrieben, war aber inzwischen teilweise skellettiert. Alle Texte handschriftlich auf altem Faxpapier des Kraftwerks verfasst, stapeln sich in mehreren nummerierten Koffern. Ich schätze etwa zwei Zentner Texte. Sie sitzt noch an einem alten Holztisch, über einem halbfertigen Text. Wegen des Feinstaubes darin mussten wir wieder los, Atemschutzmasken besorgen, wer holt sich schon gern Lungenkrebs? Wollte euch aber darüber vorab informieren. Die Diskussionen mit Kareen gehen mir übrigens am A. vorbei. Diese Sensation hier kann sie sowieso nicht überbieten. Melde mich wieder bald, Grüße, Jenny
Donnerstag, Oktober 06, 2005
Habe nochmal den Bericht der Luftfahrtbehörde (www.bfu-web.de/berichte/02ax001dfr.pdf) gelesen. Mir stellt sich da die Frage, wem folgten die Piloten, wer war ihre höchste Autorität? Und das, liebe Freunde, ist eine spannende Frage, glauben wir mehr der Technik, einer Maschine, einem Computerprogramm, oder einer menschlichen Stimme, die uns über Funk mitteilt:sinken! Während das Radarwarnsystem genau das Gegenteil von uns verlangt. Ja, die Piloten hatten die Wahl, aber ihre höchste Autorität war der Mensch, der Fluglotse, und das wurde ihnen allen zum Verhängnis.
Und noch etwas habe ich diesem Bericht entnommen. Die Piloten des Frachtflugzeugs konnten die russische Besatzung über Funk hören, aber sicherlich nicht verstehen. Umgekehrt konnte die russische Besatzung die Piloten der Frachtmaschine nicht hören. Vielleicht hätten sie sogar ein paar Worte der fremden Sprache verstehen können, und das Unglück wäre nicht geschehen.
Klar, hätte, wenn, das zählt alles nicht, und keine Katastrophe ist rückgängig zu machen, aber uns bleibt trotzdem das Thema Autorität, wem glauben wir eigentlich, etwa einem smarten Politiker, oder vielleicht doch lieber einer Computersimulation? Lest das mal, damit das Theater wieder wirklichkeitsnah wird! Grüße, eure Kareen
Und noch etwas habe ich diesem Bericht entnommen. Die Piloten des Frachtflugzeugs konnten die russische Besatzung über Funk hören, aber sicherlich nicht verstehen. Umgekehrt konnte die russische Besatzung die Piloten der Frachtmaschine nicht hören. Vielleicht hätten sie sogar ein paar Worte der fremden Sprache verstehen können, und das Unglück wäre nicht geschehen.
Klar, hätte, wenn, das zählt alles nicht, und keine Katastrophe ist rückgängig zu machen, aber uns bleibt trotzdem das Thema Autorität, wem glauben wir eigentlich, etwa einem smarten Politiker, oder vielleicht doch lieber einer Computersimulation? Lest das mal, damit das Theater wieder wirklichkeitsnah wird! Grüße, eure Kareen
Montag, September 26, 2005
Hallo Leute,
sorry, dass ich mich nicht mehr weiter an der Diskussion beteiligt habe ... . Hatte im Zug nach Kiew einen heißen Tipp bekommen, dass sich in der Nähe von Tschernobyl eine Autorin einem haarsträubenden Selbstversuch aussetzt. Sie lebt dort angeblich seit der Katastrophe im April 86 unter primitiven Bedingungen in der radioaktiv verseuchten Zone. Der Beschreibung nach versucht sie herauszufinden, wie sich die radioaktive Strahlung auf ihr automatisches Schreiben auswirkt. Also machte ich mich auf den Weg dorthin.
Ich erkundigte mich, und es war nicht weiter schwer, in das Gebiet einzudringen. Tatsächlich finden dort illegale Führungen in die verseuchte Zone statt, natürlich nur gegen Cash! (ich brauche übrigens dringend Nachschub)
Das Militär kontrolliert zwar, aber die Einheimischen kennen geheime Wege. Man sollte dort nichts anfassen, klar, es ist schon sehr schaurig, diese tödliche Gefahr, die man einfach nicht sieht.
Ich habe auch Leute getroffen, die dort leben und wirklich strange aussehen. Soweit ich sie verstanden habe, konnten sie mir diesen Tipp bestätigen, zumindest haben sie davon gehört. (es soll dort irgendwelche unterirdischen Anlagen geben, in denen eine verrückte Community vermutet wird.) Wäre das nicht der absolute Wahnsinn, wenn ich diese Autorin treffen könnte? Eure Jenny
Freitag, September 23, 2005
Concorde und Space shuttle
Was haben die französische Concorde der Air France und das amerikanische Spaceshuttle der NASA gemeinsam? Beide waren solange technische Prestigeobjekte, bis der verheerende Crash passierte. Beide wurden daraufhin aufwändig überholt und verbessert, aber die Concorde wenigstens fliegt inzwischen nicht mehr. Dem Spaceshuttle wird es vielleicht bald auch so gehen, mit dem Unterschied, dass man trotzdem von Paris nach Washington reisen und größere Lasten senden kann, was nicht gleichermaßen für das Ziel des Spaceshuttle gilt, die Internationale Raumstation ISS. Vielleicht sind ja daher auch deren Tage gezählt, wenn sie mangels Transportkapazität nicht weiter ausgebaut werden kann. Was folgt daraus für unser kleines Welttheater? Nichts?
Also, solche Katastrophen bergen in sich doch eine gesellschaftliche Relevanz, z.B. das Scheitern technischer Utopien, Visionen, mit denen sich Politiker gern schmücken, weil sie so hübsch unpolitisch erscheinen. Dabei sollen sie dazu dienen, eine Leere aufzufüllen, die das reine Verkonsumieren als Lebensinhalt eben hinterlässt. Die russische Mir hieß ja nicht umsonst Frieden. Sie war im atheistischen Staat eine gottesähnliche Projektionsfläche.
Meldet euch wieder, ich poste eure Beiträge gern, V.L.
Like shuttle earth!
Hallo girls, meanwhile, what are you doing? Während wir im Theater den Papierkram erledigen und uns mit kryptischen Behördenauflagen herumschlagen, seid ihr Recherchegirls vollkommen abgetaucht. Hoffentlich kommt was bei raus.
Nach einem langen Tag schaue ich spät am Abend TV Nachrichten und sehe die Notlandung von flight 292 auf dem Airport von LA. Freue mich, dass niemand zu Schaden gekommen ist, spektakuläre Landung übrigens, congratulations den Piloten! Aber dann kommt die Hammernachricht. Die Passagiere in dem jetBlue Fluggerät hatten via Bord TV die ganze Zeit ihre missliche Lage mitverfolgt. Und das finde ich eine grandiose Metapher auf unsere Zeit: wir befinden uns im shuttle blue earth, und schauen im TV der Havarie unseres Fluggerätes zu. Man sollte alle Passagiere interviewen und daraus ein Theaterstück machen!
Aber ihr seid ja ganz woanders.
Bis bald, V.L.
Dienstag, September 20, 2005
Interesting struggle!
Ich finde es gut, wenn wir die Differenzen hier öffentlich austragen, schließlich lebt jede Bühne von Konflikten, die vor- und ausgetragen werden.
Unsere Aufgabe ist es doch, die Menschen darin darzustellen. Und da haben wir eine besondere Verantwortung, denn unsere Helden müssen lebensechter sein als die in Hollywood Streifen. Ein Beispiel:
Bei der Katastrophe der Helios Airline versuchte ein Steward verzweifelt, den Jet auf dem Flughafen von Athen zu landen. Er besaß sogar einen Pilotenschein für Kleinflugzeuge, seine Verlobte war an Bord und sie wollten in Kürze heiraten. Neben der fürchterlichen realen Tragik ein Stoff für einen melodramatischen Katastrophenfilm. In vergleichbaren Hollywood Streifen landeten schon einige Stewardessen riesige Jets, während ich der Presse über den Absturz bei Athen entnehmen musste, dass jener Steward keine Chance gehabt hätte, dieses Flugzeug zu landen. Was stimmt da nicht?
Wurde dieser potentielle Retter tatsächlich durch mangelnde technische Kenntnisse vor eine unlösbare Aufgabe gestellt? Konnten ihm nicht die Piloten der eskortierenden griechischen Kampfjets über Funk helfen? Oder geschah in Wirklichkeit etwas ganz anderes?
Da sind einige Fragen offen. Schöne Grüße, V.L.
Ich finde es gut, wenn wir die Differenzen hier öffentlich austragen, schließlich lebt jede Bühne von Konflikten, die vor- und ausgetragen werden.
Unsere Aufgabe ist es doch, die Menschen darin darzustellen. Und da haben wir eine besondere Verantwortung, denn unsere Helden müssen lebensechter sein als die in Hollywood Streifen. Ein Beispiel:
Bei der Katastrophe der Helios Airline versuchte ein Steward verzweifelt, den Jet auf dem Flughafen von Athen zu landen. Er besaß sogar einen Pilotenschein für Kleinflugzeuge, seine Verlobte war an Bord und sie wollten in Kürze heiraten. Neben der fürchterlichen realen Tragik ein Stoff für einen melodramatischen Katastrophenfilm. In vergleichbaren Hollywood Streifen landeten schon einige Stewardessen riesige Jets, während ich der Presse über den Absturz bei Athen entnehmen musste, dass jener Steward keine Chance gehabt hätte, dieses Flugzeug zu landen. Was stimmt da nicht?
Wurde dieser potentielle Retter tatsächlich durch mangelnde technische Kenntnisse vor eine unlösbare Aufgabe gestellt? Konnten ihm nicht die Piloten der eskortierenden griechischen Kampfjets über Funk helfen? Oder geschah in Wirklichkeit etwas ganz anderes?
Da sind einige Fragen offen. Schöne Grüße, V.L.
Montag, September 19, 2005
Jennys Antwort: ... das Sensationelle langweilt mich! Wenn ihr darauf spekuliert, um vielleicht den einen oder anderen Zuschauer mehr ins Theater zu kriegen, seid ihr in meinen Augen brutal auf der falschen Strecke. Besonders Du, Kareen, machst einen unglaublichen Druck, um nur Deine eigenen Sachen durchzusetzen. Aber es geht um Hintergründe, nicht um das Sensationelle an sich. Welche Passagierverkehrskatastrophe außer 9/11 hätte denn irgendwelche größeren Auswirkungen gehabt? Fakt ist doch, dass je geringer die Wirtschaftskraft eines Landes oder je größer der Konkurrenzdruck im Markt, desto schwieriger fällt es den Airlines, die hohen Wartungskosten für ihre Flotte aufzubringen. Das ist das eigentliche Skandalöse am Sensationellen von Flugzeugabstürzen!
Der Schrecken, der dann aufkommt, wenn man sich die Lage des einzelnen Passagiers vorstellt, der wie bei dem Helios Absturz in der Nähe von Athen noch halb bewusstlos in seinem Sitz angegurtet solange über der Absturzstelle kreist, bis schließlich die Tanks leer sind und das Flugzeug vom Himmel fällt, hat jedoch eben genau die Vorgeschichte der kleinen und unauffälligen Einsparungen, Rationalisierungen und Pfuschereien, die so schleichend in einem Verfall der Verantwortlichkeit gegenüber dem Leben des Einzelnen sich vollziehen, dass sie keine Schlagzeile, keine größere Empörung bereiten und untergehen in dem allgemeinen Tenor der Kostenkontrolle.
Der einzelne Fachmensch weiß das, und versucht nur eben noch seine eigene Haut zu retten. Die wehrlosen Nicht-Fachleute dürfen in den Tod fliegen, sie haben ja selbst am Ticket gespart.
Jetzt wisst ihr, was mich interessiert und weshalb ich hier unterwegs bin, wo eine Superpower zerbrochen ist, die zweifelsfrei über Hochtechnologie verfügte und deren Erben nun solche in den Händen halten, mehr oder weniger.
Der Schrecken, der dann aufkommt, wenn man sich die Lage des einzelnen Passagiers vorstellt, der wie bei dem Helios Absturz in der Nähe von Athen noch halb bewusstlos in seinem Sitz angegurtet solange über der Absturzstelle kreist, bis schließlich die Tanks leer sind und das Flugzeug vom Himmel fällt, hat jedoch eben genau die Vorgeschichte der kleinen und unauffälligen Einsparungen, Rationalisierungen und Pfuschereien, die so schleichend in einem Verfall der Verantwortlichkeit gegenüber dem Leben des Einzelnen sich vollziehen, dass sie keine Schlagzeile, keine größere Empörung bereiten und untergehen in dem allgemeinen Tenor der Kostenkontrolle.
Der einzelne Fachmensch weiß das, und versucht nur eben noch seine eigene Haut zu retten. Die wehrlosen Nicht-Fachleute dürfen in den Tod fliegen, sie haben ja selbst am Ticket gespart.
Jetzt wisst ihr, was mich interessiert und weshalb ich hier unterwegs bin, wo eine Superpower zerbrochen ist, die zweifelsfrei über Hochtechnologie verfügte und deren Erben nun solche in den Händen halten, mehr oder weniger.
Freitag, September 16, 2005
Kareen wird also mit doppel e geschrieben, sorry, wusste ich nicht. Sie hatte sich bei mir be-schwert und verlangt, dass ich folgendes von ihr mitteile: ... wenn ihr meint, dass es sich dabei nicht um einen hervorragenden dramatischen Stoff handelt, dann weiß ich nicht mehr, wovon ihr irgendwas versteht!!!!
Das Drama geht ja noch weit über den Zusammenstoß um 23:35 der Tupolew 154 der Bashkirian Airlines in 12000 Metern Höhe mit der Boeing 757 des Frachtdienstes DHL Express Worldwide hinaus.
Zwei Jahre später taucht am frühen Abend am Stadtrand von Genf wie ein Rächer aus dem Nirgendwo ein ca. 50 Jahre alter Mann in dunkler Hose und dunklem Mantel vor einem Reihenhaus auf, in dem der damals verantwortliche Fluglotse der Schweizer Flugsicherung Skyguide mit seiner Frau und seinen drei Kindern wohnt. Nach einem kurzen Wortwechsel rammt der Unbekannte dem Fluglotsen mehrere Male sein Messer in den Körper, worauf dieser vor den Augen seiner Frau verstirbt.
Später stellte sich heraus, dass der Täter ein Hinterbliebener der Katastrophe von Überlingen war ...
He, Leute, hier am Bodensee residieren neuerdings auch noch zwei junge Filmregisseure, die auch schon Kontakt mit dem durchgeknallten (aber interessanten) Autor aufgenommen haben. Geht mir nur weiter auf die Nerven, dann habt ihr echt geholfen, den Hit der Spielzeit zu verderben. Haben die Geld, kaufen sie die Exklusivrechte für ihr komisches Filmprojekt und meine Arbeit war für die Katz!
Und zu dir, Jenny. Ich weiß immer noch nicht genau, was du da suchst, wo du dich rumtreibst. Ich gönn dir ja jedes Abenteuer, aber man muss auch mal einsehen, wann man gescheitert ist.
Ciao, Kareen
Das Drama geht ja noch weit über den Zusammenstoß um 23:35 der Tupolew 154 der Bashkirian Airlines in 12000 Metern Höhe mit der Boeing 757 des Frachtdienstes DHL Express Worldwide hinaus.
Zwei Jahre später taucht am frühen Abend am Stadtrand von Genf wie ein Rächer aus dem Nirgendwo ein ca. 50 Jahre alter Mann in dunkler Hose und dunklem Mantel vor einem Reihenhaus auf, in dem der damals verantwortliche Fluglotse der Schweizer Flugsicherung Skyguide mit seiner Frau und seinen drei Kindern wohnt. Nach einem kurzen Wortwechsel rammt der Unbekannte dem Fluglotsen mehrere Male sein Messer in den Körper, worauf dieser vor den Augen seiner Frau verstirbt.
Später stellte sich heraus, dass der Täter ein Hinterbliebener der Katastrophe von Überlingen war ...
He, Leute, hier am Bodensee residieren neuerdings auch noch zwei junge Filmregisseure, die auch schon Kontakt mit dem durchgeknallten (aber interessanten) Autor aufgenommen haben. Geht mir nur weiter auf die Nerven, dann habt ihr echt geholfen, den Hit der Spielzeit zu verderben. Haben die Geld, kaufen sie die Exklusivrechte für ihr komisches Filmprojekt und meine Arbeit war für die Katz!
Und zu dir, Jenny. Ich weiß immer noch nicht genau, was du da suchst, wo du dich rumtreibst. Ich gönn dir ja jedes Abenteuer, aber man muss auch mal einsehen, wann man gescheitert ist.
Ciao, Kareen
Donnerstag, September 15, 2005
Ja, ja, Jenny,
Du hast ja recht, wenn Du zu bedenken gibst, was den Unterschied zwischen einem sommerlichen Busunglück mit zahlreichen Opfern und einem sommerlichen Flugzeugcrash überhaupt ausmachen sollte?
Beides sind grauenvolle Ereignisse, wobei das eine von einer größeren Öffentlichkeit schnell vergessen sein wird, während das andere wegen seiner schrecklichen Umstände vielleicht immer in der Erinnerung präsent bleiben wird. Aber beides, wie du sagst, sind technisch bedingte Unfälle mit einem Anteil menschlichen Versagens.
Und daher möchtest Du lieber den Fokus auf echte politische und gesellschaftliche Verwerfungen richten, in deren Folge Katastrophen wie z.B. die Geiselnahme in der Schule in Beslan stattfanden, oder die zukünftige Katastrophen erahnen lassen, wie die atomare Verseuchung von Meeren oder ganzen Landstrichen in der ehemaligen Sowjetunion.
Hoffentlich findest Du den herausragenden Autor irgendwo da draußen, der uns von der Trümmerlandschaft dieses untergegangenen Imperiums leidenschaftlich berichtet. Gruß, V.L.
Du hast ja recht, wenn Du zu bedenken gibst, was den Unterschied zwischen einem sommerlichen Busunglück mit zahlreichen Opfern und einem sommerlichen Flugzeugcrash überhaupt ausmachen sollte?
Beides sind grauenvolle Ereignisse, wobei das eine von einer größeren Öffentlichkeit schnell vergessen sein wird, während das andere wegen seiner schrecklichen Umstände vielleicht immer in der Erinnerung präsent bleiben wird. Aber beides, wie du sagst, sind technisch bedingte Unfälle mit einem Anteil menschlichen Versagens.
Und daher möchtest Du lieber den Fokus auf echte politische und gesellschaftliche Verwerfungen richten, in deren Folge Katastrophen wie z.B. die Geiselnahme in der Schule in Beslan stattfanden, oder die zukünftige Katastrophen erahnen lassen, wie die atomare Verseuchung von Meeren oder ganzen Landstrichen in der ehemaligen Sowjetunion.
Hoffentlich findest Du den herausragenden Autor irgendwo da draußen, der uns von der Trümmerlandschaft dieses untergegangenen Imperiums leidenschaftlich berichtet. Gruß, V.L.
Mittwoch, September 14, 2005
... sie sagt/ dass er zum Himmel schaut/ Kondensstreifen deutet/ Eltern warnt/ die Fahrt unterbricht/ nach Leichenteilen sucht/ in den Bodensee starrt/ Wolken spucken sieht/ Lachende anschreit/ vor Geräuschen erschrickt/ den Alltag hasst/ die Toten besucht/ Koffer vorsichtig abstellt.
... vor einem Streifenpolizisten schlug, vom Himmel stürzend, ein totes Kind auf.
... vor einem Streifenpolizisten schlug, vom Himmel stürzend, ein totes Kind auf.
Hi Jenny,
habe gerade etwas Zeit, um Dir zu berichten ...
Deine very special Freundin Karen hat einen vollkommen traumatisierten Autor aus Überlingen am Bodensee ausfindig gemacht, von dem sie jetzt wie verrückt alle überzeugen will. Der schreibt ohne Unterlass über die Katastrophe unter dem Himmel von Überlingen, kannst Du Dir das vorstellen?
Und jetzt kommt´s: sie entblödet sich nicht, einen weiten Bogen zu Deinem Osteuropa Thema zu schlagen! Weil nämlich die Kinder, die über Überlingen vom Himmel fielen, aus Russland stammten. Erinnerst Du dich, der Flugzeugcrash der beiden Flugzeuge, die Kinder stammten aus Ufa. Nicht die Filmgesellschaft ist gemeint, sondern die Stadt Ufa in der Republik Baschkortostan. Sie meint, durch die Katastrophe wäre der Osten uns näher gekommen. Was meinst Du?
Übrigens, Deine Nachricht, dass Du immer nur in Zügen übernachtest, weil Du Dich dann sicherer fühlst und es Deine Kreativität anregt, hat hier für Heiterkeit gesorgt. Wir hoffen, dass Du den Tick zu Hause wieder ablegst, oder?
Sei gegrüßt, V.L.
habe gerade etwas Zeit, um Dir zu berichten ...
Deine very special Freundin Karen hat einen vollkommen traumatisierten Autor aus Überlingen am Bodensee ausfindig gemacht, von dem sie jetzt wie verrückt alle überzeugen will. Der schreibt ohne Unterlass über die Katastrophe unter dem Himmel von Überlingen, kannst Du Dir das vorstellen?
Und jetzt kommt´s: sie entblödet sich nicht, einen weiten Bogen zu Deinem Osteuropa Thema zu schlagen! Weil nämlich die Kinder, die über Überlingen vom Himmel fielen, aus Russland stammten. Erinnerst Du dich, der Flugzeugcrash der beiden Flugzeuge, die Kinder stammten aus Ufa. Nicht die Filmgesellschaft ist gemeint, sondern die Stadt Ufa in der Republik Baschkortostan. Sie meint, durch die Katastrophe wäre der Osten uns näher gekommen. Was meinst Du?
Übrigens, Deine Nachricht, dass Du immer nur in Zügen übernachtest, weil Du Dich dann sicherer fühlst und es Deine Kreativität anregt, hat hier für Heiterkeit gesorgt. Wir hoffen, dass Du den Tick zu Hause wieder ablegst, oder?
Sei gegrüßt, V.L.
Dienstag, September 13, 2005
Hey Jenny,
vergiss nicht, dass das Haus Dir Deinen Osteuropa Trip finanziert. Wir finden es alle cool, dass Du das so typisch für Dich durchziehst, weil Du ja auch schon an der Uni Dein Steckenpferd geritten hast, aber hier geht es jetzt um den Spielplan!
Warst Du nicht diejenige, die alles anders machen wollte als an anderen Häusern? Karen hat ihren Vorschlag längst unterbreitet, wir diskutieren den selbstverständlich, auch wenn ihr eure Probleme habt. Ich halte mich da raus, mir geht es um die Stuecke, nicht um Personen.
Tommy hatte den Vorschlag gemacht, Dich per Sattelit und Liveübertragung bei Deiner Suche zu präsentieren. Haha! Mach Dich nicht lächerlich!
Ciao, V.L.
vergiss nicht, dass das Haus Dir Deinen Osteuropa Trip finanziert. Wir finden es alle cool, dass Du das so typisch für Dich durchziehst, weil Du ja auch schon an der Uni Dein Steckenpferd geritten hast, aber hier geht es jetzt um den Spielplan!
Warst Du nicht diejenige, die alles anders machen wollte als an anderen Häusern? Karen hat ihren Vorschlag längst unterbreitet, wir diskutieren den selbstverständlich, auch wenn ihr eure Probleme habt. Ich halte mich da raus, mir geht es um die Stuecke, nicht um Personen.
Tommy hatte den Vorschlag gemacht, Dich per Sattelit und Liveübertragung bei Deiner Suche zu präsentieren. Haha! Mach Dich nicht lächerlich!
Ciao, V.L.
Montag, September 12, 2005
Hi Jenny,
habe aus Georgien ein Stück erhalten, kommt aber für uns nicht in Frage. Hattest Du den Autor getroffen ? Die Sendung war ohne Kommentar und eine schlechte englische Übersetzung. Also, Du arbeitest, aber es wäre trotzdem nett, wenn mal ein Lebenszeichen von Dir ankommt.
Wenn Du diesen Prostischwili nochmal triffst, wir können sein stück nicht machen, dieses Melodram. Bis denne, V.L.
habe aus Georgien ein Stück erhalten, kommt aber für uns nicht in Frage. Hattest Du den Autor getroffen ? Die Sendung war ohne Kommentar und eine schlechte englische Übersetzung. Also, Du arbeitest, aber es wäre trotzdem nett, wenn mal ein Lebenszeichen von Dir ankommt.
Wenn Du diesen Prostischwili nochmal triffst, wir können sein stück nicht machen, dieses Melodram. Bis denne, V.L.
Freitag, September 09, 2005
Best of Catastrophies
Hallo Jenny!
Habe alles versucht, Dich zu erreichen, aber steckst wohl irgendwo im Funkloch. Hoffe, dass Du den Weg in ein Internet Cafe schaffst und spannende Nachrichten von Dir eintreffen!
Also, wir diskutieren gerade das Peripherie Projekt, für das Du ja auch unterwegs bist. Wir wollen Dir da auf keinen Fall vorgreifen. Aber es wird langsam dringend, für die Presseankündigungen den endgültigen Titel zu finden. OK?
Jetzt muss ich schon wieder los, bis denne. V.L.
Habe alles versucht, Dich zu erreichen, aber steckst wohl irgendwo im Funkloch. Hoffe, dass Du den Weg in ein Internet Cafe schaffst und spannende Nachrichten von Dir eintreffen!
Also, wir diskutieren gerade das Peripherie Projekt, für das Du ja auch unterwegs bist. Wir wollen Dir da auf keinen Fall vorgreifen. Aber es wird langsam dringend, für die Presseankündigungen den endgültigen Titel zu finden. OK?
Jetzt muss ich schon wieder los, bis denne. V.L.
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